Gedichte:

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schwach sein...

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Viel zu lang kämpf ich oft,

an längst schon verlorenen Fronten!

Viel zu sehr lass ich mich noch immer in Dinge verwickeln,

die mich eigentlich gar nichts angehen würden.

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Immer wieder verlier ich mich

in den Gedanken und Problemen anderer Menschen.

Immer wieder find ich mich wieder,

verzweifelt, verbraucht und am Ende all meiner Weisheit,

unfähig, den Weg zurück zu mir selbst wieder zu finden.

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So Vieles hab ich schon gelesen und gelernt, so Vieles ausprobiert und unendliche Male experimentiert, mich auf alles Mögliche schon eingelassen und find mich wieder einmal nur - schwach, verzweifelt und scheinbar wieder mal am Ende.

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So lass ich mich in meine Schwäche fallen,

ganz tief - ganz ohne festzuhalten -

und gelang doch immer tiefer auch in die Erkenntnis,

dass zu schwach ich noch bin,

um mein ganzes Leben selbst zu meistern.

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Und welch wundersame Fügung,

dass schon im Fallen die Gewissheit mich ereilt,

dass göttliche Hände mich auffangen werden

und Gnade wirkt,

eben auch in meinem Leben,

eben trotz - oder grade wegen - meiner Schwächen...!?

So sind es etwa meine Schwächen gar,

die es erst möglich machen,

dass ich in meinem Leben die Gnade überhaupt erst fühl´?

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Sind es die Schwächen etwa sogar, die es uns erst möglich machen,

weiterzuwachsen und die Kraft zu fühlen,

die uns im Leben nährt,

auch wenn wir längst schon glauben,

nicht lebensfähig mehr zu sein?

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Heliamus Raimund


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