Die Dreieinige Kraft des Christus Band I:

"Mut zur Wahrheit"


Kapitel 18.3

Christus, der "wiedergefundene Gott"

und die Geschichte vom Bild Gottes


Warum ist gerade Christus so wichtig für uns?

Jesus Christus hatte eine sehr wichtige Aufgabe für die Entwicklung der Menschheit und auch für den Fortbestand des Planeten Erde. Der Mensch Jesus hat uns die Liebe zu Gott vorgelebt und somit das Bewusstsein darüber auf die Erde zurückgebracht. Er hat uns ermöglicht, Gott in uns und außerhalb von uns selbst wieder zu erkennen, wieder zu lieben und wieder zu ermächtigen. Dadurch offenbaren und manifestieren wir Gott in unserem Inneren und auch auf der Erde.

Jesus ist zwar gestorben, doch als er starb, wurde Christus geboren bzw. ist Jesus als Christus wiederauferstanden. Durch seine Verwandlung hat er es uns ermöglicht, dass wir den göttlichen Funken in unserem Herzen wieder finden können, weil er als Christus unsterblich und immer und überall gegenwärtig ist. Er stellt uns sozusagen sich selbst und seine Energie zur Verfügung. Alles, was er selbst erlebt und durchlitten hat, die Kraft, mit der er durch alles hindurchgegangen ist, die Hingabe, die er an Gott, seinen himmlischen Vater, gelebt hat und den Vollzug seiner Wiedergeburt stellt er uns Menschen zur Verfügung, für die "Gott Vater im Himmel" meist nur ein leeres oder negativ besetztes Wort ist. Diese von Jesus vollzogene Wiedergeburt oder auch Aufstieg genannt, konnte zu seiner Zeit nur durch den Tod vollzogen werden. Dadurch dass sich seit vielen Jahren schon die Schwingung der Erde erhöht hat, und Christus uns seinen Weg zur Verfügung stellt, ist diese Wiedergeburt auch ohne physischen Tod möglich geworden. Dieser Aufstieg ist jedoch diesmal kein einmaliger Akt, sonder vollzieht sich immer und immer wieder, dafür ohne gleich sterben zu müssen. Allerdings könnte man manchmal wirklich davon sprechen, dass man tausend Tode gestorben ist, bis man wieder einen Teil von sich verwandelt hat, aber es ist dafür kein irdischer Tod mehr notwendig.

Jesus Christus hat eine Brücke zwischen Mensch und Gott geschlagen und ermöglicht uns die Verbindung zu dem Höchsten in uns, auch wenn wir zu dieser Verbindung eigentlich noch nicht fähig wären bzw. wenn wir sie uns - im Sinne der Karmaauflösung - noch nicht erarbeitet haben. Wenn wir unser Höheres Selbst bitten, uns zu führen, verbinden wir uns sozusagen mit dem Höchsten in uns, auch wenn wir diesen Kontakt selbst noch nicht herstellen könnten. In der Meditation können wir dann plötzlich die Einheit mit dem Höchsten in uns erleben und dabei spielt es keine Rolle, ob wir an Christus glauben oder nicht. Das hat indirekt mit Christus zu tun, weil er mitverantwortlich ist, dass die Erde in einer höheren Schwingung ist und alle Menschen deshalb leichter Zugang zu spirituellen Erfahrungen bekommen.

Als Jesus nach seinem Tod und seiner Auferstehung zu Christus geworden war, verströmte sich sein Geist über die ganze Erde. Seitdem befindet sich in jeder Zelle dieses Planeten und in jeder Zelle jedes Wesens, das auf dieser Erde lebt, die Information als Funke: Gott hat sich auf dieser Erde wieder gefunden. Der Kreis der Reinkarnation ist geschlossen worden. Das Prinzip des Karmas wurde beendet, der Aufstieg ist wieder möglich.

Der Funke in meinem Innersten ist der Zugang zur Sonne des wiedergeborenen Christus, also des wieder gefundenen Gottes, der sich auf dieser Erde verströmt hat und in meinem Herzen wieder gefunden werden kann. Wenn ich diesen Christusfunken in meinem Herzen entdeckt habe und mich in meinem alltäglichen Leben davon leiten lasse, wird dieser Funke zu einem weißen Feuer, das durch die Aktivierung und Verbindung von Bewusstsein, Liebe und Macht brennt und das Innerste offenbart.

Dieses Feuer der Wahrheit des "ICH BIN", diesen ureigenen und persönlichen Zugang zu Gott wieder zu finden, ist eigentlich der Sinn und Zweck aller spirituellen Praktiken. Die Verantwortung dafür muss und soll allerdings jeder Mensch selbst tragen. Für mich ist es sehr beglückend, die Aspekte über den Weg zurück zu Gott, so wie ich sie bekommen und erlebt habe, weiterzugeben. Dabei stelle ich alles zur Verfügung, was ich erkannt habe, damit jeder, der dies für sich annehmen und umsetzen will, selbstverantwortlich seinen Weg weitergehen kann. In meiner spirituellen Arbeit ist es für mich oberstes Gebot, einen Menschen zurück zu Gott und gleichzeitig in die Freiheit zu führen, was bedeutet, dass er Zugriff auf alle Informationen haben soll, die mir zur Verfügung stehen. Da ich dadurch niemanden von mir abhängig mache, werde ich natürlich auch mit meinen eigenen Ängsten konfrontiert, weil ich mir ja somit keine "Jünger halte" oder "Mitglieder einkaufe", die mich in ihrer Naivität und durch ihre falsch verstandene Liebe und Hingabe (=Unterwerfung) mit Energie versorgen könnten. Dadurch muss ich selbst lernen, dem Leben zu vertrauen und nicht meiner Fähigkeit, genügend Menschen von mir abhängig machen zu können. Selbst Christus erlebte Angst und auch Krankheit, doch versuchte er niemals dieser auszuweichen, nicht einmal seinem leidvollen physischen Tod, weil er der Kraft und Liebe seines Vaters vertraute.

Wenn ich mir meiner Selbstverantwortung bewusst bin, kann ich mich viel leichter spirituellen Lehrern oder Erfahrungen hingeben, weil ich meine Macht nie ganz abgebe und erkenne: "Es geht um mich und um meine Entwicklung und ich bestimme, ob oder wie lange ich mich einem anderen Menschen oder einer Erfahrung hingebe!" Wenn ich erkenne, dass ich mich Gott, d.h. dem Leben hingebe, dann kann ich auch die Menschen, denen ich mich auf Erden hingebe, von der Verantwortung freisprechen, mir etwas Bestimmtes liefern zu müssen und kann somit alle Menschen, unter anderem auch meine Eltern, mehr als Geschwister ansehen und nicht mehr als Leibeigene, Erlöser oder Unterdrücker.

Den göttlichen Funken im Herzen nenne ich "Christusfunke", solange ich auf der Suche nach Gott in mir bin. Wenn ich meine eigene Göttlichkeit mehr und mehr erkenne und realisiere, enthüllt sich mir mein göttlicher Name, der dann meine ganz persönliche und individuelle Rückverbindung mit der Dreifaltigkeit Gottes in und außerhalb von mir ist. Christus bleibt jedoch immer die Brücke in mir. So wie ich immer Kind Gottes bleibe und somit Gott immer größer sein wird als ich, so bleibt die Verbindung zu Gott immer Christus in mir.

Die Geschichte vom Bild Gottes

Christus ist der "wieder gefundene Gott" oder einfacher gesagt, er ist die Rückverbindung zu Gott. Christus können wir selbst werden, ich meine er kann ein Teil von uns werden, denn Christus ist in uns.

Gott ist in Allem, aber wir können ihn nicht überall erkennen, bevor wir ihn nicht ganz und gar in uns erkannt haben. Christus ist die Bezeichnung für den göttlichen Funken in uns, den wir wieder finden sollen und der uns die Rückverbindung zu Gott, also die Erkenntnis meines wahren göttlichen Wesens, wieder ermöglicht. Er ist der Funke oder auch die Lichtbrücke zum Allumfassenden. Jesus hat diesen Funken wieder gefunden, jedoch wurde er erst nach seinem Tod vollkommen eins mit Christus. Im Alter von 30 Jahren hatte Jesus den Christus in sich wieder gefunden, also die Kraft, immer und überall zu Gott bzw. zu seiner Verbindung zu Gott ja zu sagen, sie wichtiger zu nehmen, als alles andere in seinem Leben. Dennoch war er immer noch Jesus, der eine Verbindung zu Christus gefunden hat und sozusagen gelernt hat wie er immer mehr eins wird mit seinem göttlichen Funken (der ewigen Verbindung zu Gott). Dadurch wurde er immer mehr selbst zu Christus, zu Jesus, dem Christus. Diese Verbindung zu Christus in ihm wurde immer mehr, bis er über bzw. nach seinem Tod vollkommen eins mit Christus wurde. Ja, er wurde selbst zu Christus, weil er erkannte, dass Christus sein wahres Wesen war und deshalb Jesus bzw. sein Körper ruhig sterben durfte!

Sein Weg war es, dass er die Verbindung zu Gott in sich wieder gefunden hat, dieser Verbindung voll und ganz sogar bis über den Tod hinaus vertraute, bis er schließlich mit Christus eins wurde. Diesen Weg ist er als damals als erstes und einzigstes Wesen gegangen, weil diesen Weg natürlich nur Christus selbst gehen konnte. Jesus war also schon vor seiner Geburt Christus und ist sich über sein ganzes Leben immer mehr seines wahren Wesens bewusst geworden, bis er eben nach seinem Tod damit verschmolzen ist. Und nun stellt er uns sein Wesen zur Verfügung. Und obwohl er wieder eins wurde mit seiner Göttlichkeit bzw. eben mit seinem wahren Wesen (=Christus), wird er nie wieder sein wie ein Engel, der die Trennung von Gott nicht kennt. Er wird immer die Erinnerung haben, wie es ist, getrennt von Gott zu sein und was es bedeutet, den Weg zurück zu gehen. Und er wird vor allem jeden Menschen jeglicher Religion oder Kaste ein Leben lang versuchen zu erinnern, dass es diesen Weg zurück zu Gott wirklich gibt: Für jeden Menschen auf dieser Welt und auch nicht mehr über den Tod! Diesen Weg ist er bereits für uns gegangen.

Den Weg zurück zu Gott möchte ich auf etwas einfachere Weise anhand einer kleinen Geschichte zeigen:

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Ein einfacher Bauer lebte ca. 1200 n. Ch. in einer großen Einöde zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau, jedoch ohne Kinder. Im Laufe seines Lebens starben seine Eltern und wie es das Schicksal eben wollte, auch seine Frau. Allein auf seinem Hof, weitab von Menschen, Dörfern oder Städten lebte er nun und hatte in seinem Leben viele Sorgen und Ängste. Unendlich schwer kam ihm sein Leben vor, und als er wieder einmal nicht mehr weiter wusste, wanderte er in das Dorf, das ihm am nächsten lag, ca. drei Tagesreisen entfernt. Dort hoffte er vielleicht eine neue Frau für sich zu finden.

Angekommen in dem Dorf versuchte er im Gasthof und beim Verkauf von etwas Gemüse auf dem Markt, das er extra mitgenommen hatte, ein paar Kontakte zu knüpfen, doch vergebens. Eine alte Frau, der er ein paar Kräuter schenkte, weil sie ihm sein letztes Gemüse abkaufte, aber kein Geld mehr für die dazugehörigen Kräuter hatte, sah ihm sein Leid jedoch an und sprach in darauf an: "Ach ja," klagte er ein wenig, "vielleicht hab ich ja irgendetwas falsch gemacht in meinem Leben, dass ich jetzt so alleine leben muss mit soviel Sorgen." Nun die alte Frau erzählte ihm von ihren Sorgen und von einem weisen Mann, der in einem etwas entfernt gelegenen Wald aus Birken lebt. Zu dem ging sie damals hin und er hat ihr wieder ins Leben geholfen. Nun, der Bauer fand zwar keine Frau, aber einen Hinweis auf einen weisen Mann, der ihm vielleicht weiterhelfen könnte und das stimmte ihn wieder hoffnungsvoll. So packte er seine Sachen zusammen und begab sich sogleich auf den Weg, um diesen weisen Mann zu treffen.

Ca. 1 Tagesreise entfernt fand er diesen Wald, den Wald, der nur aus Birken bestand. Und er fand auch den weisen Mann, der gerade vor seiner Hütte etwas Holz aufstapelte. Mit einem freundlichen Lächeln und einer runzligen Stirn wurde er empfangen. Es war so herzlich, als wenn dieser Mann Besuch von seiner Familie bekommen würde und ebenso war der Empfang auch so klar und selbstverständlich, als würde er den Bauern schon ein Leben lang kennen. Nun, bei einem Schluck Wasser, das sie beide auf einem alten umgefallenen Baumstamm vor der Hütte des weisen Mannes zu sich nahmen, erzählte der Bauer ihm von seinem Leben und von seiner Verzweiflung. Und er fragte ihn um Rat, ob es denn etwas gäbe, was er denn tun könnte?

Der weise Mann blickte ihm in die Augen und sagte ihm mit klaren und bestimmten Worten, dass er ein Leben ohne Gott leben würde und dass es ihm deshalb es ihm so schlecht ginge.

Da der Bauer nicht religiös erzogen wurde, fragte er den weisen Mann, wer denn Gott sei.

Der Bauer ist mit seinen Eltern zusammen aufgewachsen, die beide nie sehr religiös erzogen wurden und da es weder Kirche noch Glaubensvertreter in seiner Umgebung gab, wurde er weitab von Religion und Glauben erzogen. Doch gerade in seiner Einfältigkeit und Naivität fragte er den weisen Mann einfach: "Wer ist denn Gott? Wie sieht er denn aus und wo hat er sein Haus? Kann ich ihn besuchen?"

Der klare, fast strenge Blick des weisen Mannes wechselte zu einem warmherzigen Lächeln über die naive und doch offene Art des Bauern. Er erhob sich schweigend und ging ins Haus. Nach kurzer Zeit kam er wieder und zeigte ihm etwas, das wie ein sehr altes Bild aussah, etwas verschmutzt, fast metallic, und doch war schemenhaft etwas zu erkennen. "Das ist ein Bild von Gott! Und besuchen wird er Dich, wenn du bereit für ihn bist." Erklärte ihm der weise Mann, wieder mit seinem klaren und unbestechlichen Blick. - "Was meinst du mit bereit?" fragte der Bauer.

Nun, der weise alte Mann erklärte ihm, dass die Bereitschaft - offen für Gott zu sein - dadurch käme, dass er ihm alles anvertrauen müsste, was in seinem Leben wichtig ist. "Was bedeutet anvertrauen?" fragte ihn der Bauer mit seiner bestechend naiven Einfachheit, worauf ihm der weise Mann lange und ausführlich erklärte, dass er einfach ALLES dem lieben Gott erzählen muss und zwar jeden Tag, sooft ihm etwas einfällt: Seine Sorgen, seine Probleme, seine Wünsche, seine Sehnsüchte, seine Erinnerungen - eben einfach alles.

Der Bauer meinte daraufhin, dass das zwar schön klingen würde, aber dass der liebe Gott doch gar nicht so viel Zeit hätte, ihm jeden Tag zuzuhören. Daraufhin beruhigte ihn der weise Mann und erzählte ihm von Begegnungen mit den wunderbaren Helfern Gottes, mit der Begegnung mit Engeln, die man manchmal im Wald in einer besonderen Morgen- oder Abendstimmung sogar sehen kann. Das war dem Bauer dann wieder vollkommen logisch: Natürlich hat der liebe Gott ganz, ganz viele Helfer! Und von denen hätte bestimmt jemand Zeit, ihm zuzuhören.

Lange saß der Bauer vor dem Bild und sah es an und meinte dabei: "Auch wenn dieses Bild ein wenig undeutlich ist, so muss ich es mir dennoch gut einprägen, damit ich es nicht vergesse und jeden Tag zu Gott beten kann!" - Wieder hatte der weise Mann sein warmherziges Lächeln im Gesicht und sprach zu dem Bauern: "Schau, ich schenke Dir dieses Bild, dann musst du es Dir nicht merken, sondern kannst jeden Tag aufs Neue hineinschauen." - tief gerührt über die Herzlichkeit und Güte dieses Menschen, der ihn ja erst seit ein paar Stunden kannte, meinte er: "Aber dann hast du ja kein Bild mehr von ihm?!" - "Nein, nein, lass nur," - erwiderte der weise Mann - "ich kenne dieses Bild in und auswendig. Glaube mir, ich schau es schon lange nicht mehr an, ich sehe es sowieso immer, wenn ich nur daran denke. Dieses Bild ist ein Teil meines Herzens geworden..." Der Blick des weisen Mannes war nun vom Bauern abgewandt. Er blickte in den Wald, doch der Bauer ahnte in diesem Moment, dass es nicht der Wald war, was er in diesem Moment vor sich sah. Es war ein Moment voller Stille und tiefer Berührtheit. Als wenn die Natur für einen Moment den Atem angehalten hätte, um die Gegenwart von etwas wunderbaren fühlen zu können.

Der Bauer fragte den weisen Mann nun noch nach seiner Bezahlung, worauf ihm der weise Mann antwortete: "Ich habe alles was ich brauche und lebe in der Gnade, genug von allem zu haben. Außerdem gibt es kein schöneres Geschenk als ein offenes Herz, dem ich mit meiner Erfahrung helfen darf. Dadurch erblüht wieder eine neue Blüte in dem wunderbaren Garten des Lebens und der Garten in dem ich lebe wird immer größer und schöner. Also beschenkst auch du mich, wenn du nur als das erblühst, was du wirklich bist! Wachse, erblühe, werde zur Sonne und scheine, so sehr, wie du nur kannst und du wirst sehen, du kannst einmal anderen Menschen genauso viel geben, wie ich dir nun gebe."

Auch wenn der Bauer nicht verstand, was der weise Mann ihm damit sagen wollte, akzeptierte er doch, dass er keine Bezahlung annehmen wollte und brach wieder auf. Bevor er ging, gab der weise Mann ihm noch einen letzten Hinweis: "Wenn du Gott um Rat fragst oder um Hilfe bittest, so tu das erst, wenn du ihm alles erzählt hast, was mit deinem Problem zu tun hat. Halte nichts zurück, auch wenn es dir noch so unwichtig erscheint - bis dir nichts mehr einfällt und es ganz still wird in Dir. Nur in dieser Stille kannst du Gott hören!"

Mit einer großen Bereitschaft, Gott ganz viel zu erzählen, machte sich der Bauer auf den Heimweg. Schon unterwegs viel ihm so vieles ein, was er ihm zu erzählen hatte. Schon erleichtert kam der Bauer nach Hause, stellte sich das Bild auf seinen Tisch und begann sofort mit Gott zu sprechen und erzählte ihm von seinen Problemen. Erst müsse er ihm ja alles erzählen - wie ihm das der weise Mann aufgetragen hat -, was mit seinen Problemen zu tun hat, bevor er ihn um Hilfe bitten könne.

Er erzählte ihm von seinem Leben, von seiner Einsamkeit, von seinen Eltern von ihrem Tod, von seiner Frau, die seine Eltern für ihn ausgesucht hatten und davon, dass er sie gern hatte, wenn auch nicht so sehr wie er sich das gewünscht hätte. Er erzählte Tag für Tag von seinem Leben, von dem Tod seiner Frau, von seinen Ängste und seinen Sorgen. Stück für Stück erzählte er ihm auch von all seinen Erinnerungen, von den schönen, wie auch von den unangenehmen. Anfangs war er so erleichtert, dass er jemanden hatte, dem er alles erzählen konnte, dass er ganz vergaß, dass er ja auch Fragen stellen konnte. Er fühlte nur am Ende eines jeden Gespräches, dass eine wunderbare Stille in ihm war und obwohl es eigentlich ganz leer und still in ihm war, fühlte es sich doch so voll und wunderbar an.

Eines Tages fiel es ihm jedoch wieder ein, dass er ja auch eine Frage stellen könne und er fragte sogleich, was Gott den meine, dass er anders machen sollte. Und er schloss sogleich alle Fenster und Türen, damit es ganz leise war und wurde ganz still und er vielleicht hören würde, was Gott ihm zu sagen hätte. Doch es kam keine Stimme, es wurde nur immer stiller. Genauso still, wie damals, als er mit dem weisen Mann auf dem alten umgefallenen Baumstamm saß und er von dem Bild Gottes sprach. Der Bauer war tief erfüllt mit einem wunderbaren Gefühl. In diesem Gefühl blickte er auf seine Sorgen und Ängste zurück, die er am Anfang noch hatte, und: Sie waren verschwunden! Er hatte schon längst sein Leben verändert, ohne, dass es ihm so richtig bewusst war, hat er sein ganzes Leben verändert. Viele Probleme existierten gar nicht mehr und es ist ihm nicht einmal aufgefallen, dass sie gar nicht mehr da waren. Längst schon hat sich Gott in sein Leben geschlichen und es auf wunderbare Weise verändert, doch erst jetzt, in diesem Augenblick der tiefen Innigkeit und Berührtheit erkannte der Bauer dieses wunderbare Wirken Gottes. Ja, längst schon hatte Gott auf seine Fragen geantwortet, nur hatte er es nicht bemerkt. "Deshalb musste ich Gott also ERST alles erzählen, damit ich DANN erkenne, dass er sowieso schon immer am Wirken war." Selbst seine Reise zu dem weisen Mann, ja sogar in seiner damaligen Verzweiflung erkannte der Bauer nun Gottes Wirken.

Es vergingen noch viele Jahre der Erinnerung an viele alte Dinge und es ergaben sich immer mehr Gespräche mit Gott und er war so glückselig, dass er Gott viele Male dankte für das wunderbare Geschenk, Gott zu kennen.

Eines Tages, in einem innigen Moment der Dankbarkeit über dieses einfache und nicht besonders deutliche Bild Gottes, verspürte er den Wunsch, dem alten Mann seine Dankbarkeit zu zeigen, für diese wunderbare Hilfe.

Er machte sich im Frühjahr nach dem letzten Schnee sogleich auf, um den Birkenwald zu finden und den mittlerweile sicherlich schon alten weisen Mann zu besuchen. Schon von weitem erblickte der Bauer den Birkenwald, der immer noch etwas Verzauberndes hatte, noch mehr vielleicht sogar als damals, als er das erste Mal hierher gekommen ist. Doch, als er näher kam musste er feststellen, dass das Haus und die Umgebung unbewohnt aussah. Und als er noch näher an das Haus herankam, sah er ein Grab, das Grab des alten weisen Mannes und obwohl seine Traurigkeit sicherlich groß war, konnte er sich nicht diesem verzaubernden Anblick entziehen, dass sein Grab ihm bot: Ein Meer voller wunderbarer weißer Blüten - Schneeglöckchen! Das ganze Grab und weit darüber hinaus waren sie verstreut und - es war kaum zu glauben - sie waren wie eine Sonne angeordnet: Ein mit wunderbar leuchtenden Blüten gefüllter Kreis mit vielen Strahlen, die nach außen gingen. Ja, in diesem Moment war die Traurigkeit verschwunden und der Bauer fühlte, dass das wie eine letzte Botschaft an ihn war: "Erstrahle und gib weiter, was immer Du zu geben hast!"

Noch eine Zeitlang saß er an diesem wunderbaren Grab in diesem Meer von Schneeglöckchen. Selbst über sein Grab hat der weise Mann noch zu ihm gesprochen! In einer langen und tiefen Stille saß er nun da und wartete, obwohl er nicht wusste auf was. Irgendetwas in ihm ließ ihn eine Gewissheit fühlen: "Auch ich habe etwas zu geben!"

Spät am Abend machte sich der Bauer doch noch auf, um sich auf den Weg nach Hause zu gehen und die vier Tagesreisen hinter sich zu bringen. Als er jedoch sein Nachtlager aufschlug, holte er sein Bild von Gott wieder hervor, das er immer bei sich hatte. Wieder überkam ihn dieses besondere Gefühl, wie damals schon, auf dem alten umgefallenen Baumstamm. Als wenn der alte Weise Mann wieder da wäre und ihm etwas sagen möchte, nein, etwas fühlen lassen möchte, doch was. Da schoss es dem Bauern in den Kopf: "Es ist Zeit dieses Bild von Gott und diesen wunderbaren Zugang zu Gott weiterzugeben." Und nicht nur das, er dachte sich, er möchte dieses Bild vervielfältigen lassen, damit es möglichst viele Menschen bekommen können!

Und so machte sich der Bauer auf ins Dorf, und da es dort niemanden gab, der dieses Bild hätte malen können, ging er in die nächste Stadt, um dort jemanden zu finden, der es malen könnte. Dort angekommen fand er einen Maler und Restaurator, dem er sein undeutliches Bild zeigte, in der Hoffnung er könnte eine oder mehrere Kopien davon machen. Dieser nahm das Bild und sah ihn zuerst verwirrt und dann, als er die Einfachheit des Bauern erkannte, empört an: "Einfältiger Bauer, weiß nicht mal, was er da in seinen Händen hält!" Verwundert war nun der Bauer, vor allem, als der Restaurator wortlos an seinen Arbeitstisch ging ein Tuch herausholte und eifrig begann, das Bild zu putzen. Nachdem er immer noch wortlos das Bild geputzt hatte und wiederkam, legte er es mit den mürrischen Worten vor dem Bauern auf den Tisch: "Das ist kein Bild, das ist ein Spiegel - etwas schmutzig war er - aber was Du gesehen hast, warst nur Du selbst!"

Nun der Bauer verließ die Werkstatt, ständig in seinen Spiegel schauend, verwundert, aber doch auch verzaubert über die Weisheit des alten Mannes, der genau wusste, wie er einen einfachen Menschen dazu bringen konnte, die Verbindung zu Gott in sich selbst zu suchen. In diesem Moment begriff, der Bauer ganz genau, dass er immer schon ein Kind Gottes war, es nur vergessen hatte. Und über die vielen Gespräche begann er, Stück für Stück, sich wieder daran zu erinnern.

Der Bauer ließ sich von seinem Geld ganz viele Spiegel machen und versuchte anderen Menschen zu zeigen, wie sie ihre Verbindung zu Gott finden können. Seither erzählten die Menschen in seiner Umgebung von dem weisen Bauern in der Einöde, der den Menschen auf wundersame Weise helfen kann.

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Der Bauer war sozusagen Jesus und sein Spiegel war Christus, die Brücke zu Gott in ihm. Doch der Bauer wusste nicht, dass Gott in ihm ist. Durch sein Vertrauen zu dem weisen Mann lernte er Gott wieder zu begegnen, ohne zu wissen, wen oder was er anbetete. Und er fand sich selbst, das Ebenbild Gottes, das Kind Gottes wieder. Somit fand er die Verbindung zu Gott und zum ganzen Leben in sich selbst wieder, weil er seine eigene Göttlichkeit erkannte. Christus ist die Brücke in mir und in jedem Menschen, die uns mit Gott verbindet und uns die Rückkehr ermöglicht.