Die Dreieinige Kraft des Christus Band I:

"Mut zur Wahrheit"


Kapitel 18.4

Das Christusprinzip


Wie nun wirklich die Hilfe durch Christus aussieht möchte ich noch ein bisschen genauer beschreiben. Wenn ich in meinem Alltag irgendein Problem habe, so versuche ich es zu lösen, und wenn ich es nicht lösen kann, so versuche ich jemanden um Hilfe zu bitten, der sich mit dem Problem auskennt. Im einfachsten Fall ist es z.B. der Sanitärinstallateur, der sich mit meiner Waschmaschine auskennt, die ich nicht reparieren kann. Dem Installateur vertraue ich sozusagen mein Problem an, weil ich glaube, dass er mir dabei helfen kann. Nun dazu brauche ich wohl keine besondere Intuition oder Menschenkenntnis.

Schwieriger wird es, wenn es um seelische Probleme geht, da ich dann ja einen Fachmann für die Seele brauche und ich rede hierbei nicht von Psychologie, durch die lediglich eine verstandesmäßige Analyse geschieht bzw. gelegentlich die Intuition miteinfließen darf. Auf alle Fälle steht die Intuition, das Herz, Gott, also das Leben dabei nicht im Mittelpunkt.

Mit einem Fachmann der Seele meine ich einen Menschen, der ein seelisches Problem mit seinem Herzen und in Verbindung mit Gott, also in wirklicher Verbindung mit dem Leben gemeistert hat.

Bei seelischen Problemen gibt es generell zwei Grundrichtungsarten, d.h. es gibt die Probleme, die ich mit mir selbst habe und es gibt die Probleme, die ich mit anderen oder mit meiner Umwelt habe! Beide Male geht es aber um mich, da ich das Problem fühle oder habe, also muss ich etwas verstehen, annehmen oder verändern lernen. Beide Male muss ich also dem Geist eines anderen Menschen erlauben in mir zu wirken, d.h. ich muss mich auf das Wesen eines anderen Menschen einlassen, wenn ich mir von ihm Hilfe wünsche und sie auch wirklich annehmen will. In der Regel ist jedoch mein Misstrauen viel zu groß und ich öffne mich nicht dem Geist eines anderen Menschen sondern höre nur seine Worte.

Das Christusprinzip bedeutet, dass mir ein Mensch, der etwas wirklich und wahrhaftig, d.h. mit seinem Herzen und in Verbindung mit Gott gemeistert hat, dies zur Verfügung stellt, egal, ob ich ihn sehe oder nicht, egal ob ich ihn fühle oder nicht, egal, ob ich ihn hören kann oder nicht. Entscheidend ist nur, ob ich mich auf ihn einlassen will oder nicht, d.h. ob ich ihm erlaube in mir zu sein und in mir zu wirken oder nicht! Diese Entscheidung ist so sehr wirksam, wie sehr ich mich mit meinem Herzen danach sehne. Es ist jedoch egal, ob diese Sehnsucht bewusst oder unbewusst ist!

Einem Menschen zu erlauben, in mir zu wirken, ist jedoch schwierig, da es kaum einen Menschen gibt, der nicht nur seine Unsicherheit, seinen Selbsthass und seine Selbstzweifel überwunden hat, sondern der auch noch seine Starre, seine Unversöhnlichkeit und sein Misstrauen gegenüber dem Leben überwunden hat. Wenn ich mich einem Menschen öffne, könnte es passieren, dass ich seine (wenn auch gut versteckten) unangenehmen Wesenszüge auch übernehme, so wie ich das schon mit meinen Eltern erlebt habe. Es müsste also ein Mensch sein, der zuerst nein zu sich selbst und zu Gott gesagt hat und dieses „nein“ dann überwunden hat und dann gelernt hat ja zu sagen, zu sich selbst und auch zu Gott! Vor allem wäre es ein Mensch, der immer und immer wieder ja sagt, sowohl zu seiner Angst vor sich selbst, um sie anzunehmen und zu überwinden, also auch zur Angst vor dem Leben, Angst sich zu verändern, ja zum Schmerz, vom Leben nicht geliebt zu werden, und ja zur Wut über das Leben, um auch diese anzunehmen und loszulassen. Natürlich gibt es Menschen, die einige dieser Aspekte einmal oder schon öfter durchlebt haben. Gefährlich ist dabei jedoch der Anspruch zu glauben, nach einem mal „durchlebt oder überwunden haben“, bereits fertig zu sein und mit dem Problem abgeschlossen zu haben. Der Anspruch an sich zeigt bereits, dass die Angst sehr groß ist, was auch immer es war, noch einmal zu erleben.

Wenn ich dies erkenne, kann ich die Verantwortung für mich selbst übernehmen und sehr viel von anderen Menschen lernen, weil ich sie auch wieder loslasse, da ich auch erkenne, dass ich nicht Alles von ihnen lernen kann, auch wenn sie das vielleicht glauben oder wollen. Entspannung kann mir diese Erkenntnis vor allem für meine Beziehungen bringen, weil ich dann meinen Partner bzw. meine Umwelt wieder mehr als das sehe, was sie wirklich sind: Menschen mit Fehlern und Schwächen!

Wenn ich jeden Menschen als individuellen Teil Gottes ansehe, so kann ich über jeden Menschen einem individuellen Teil Gottes begegnen und von ihm lernen, so er es selbst gemeistert hat, diesen Teil auch in mir zu leben. Anschließend lasse ich ihn wieder los, um eine neue Begegnung eingehen zu können, egal ob mit dem gleichen Menschen oder mit einem anderen. Also werde ich sicher nie aufhören Menschen zu begegnen und zu lernen und sie wieder loslassen, und das bedeutet, ich werde nie aufhören weiter zu wachsen. Würde ich die Bereitschaft aufgeben, unangenehme Gefühle in mir zu fühlen, so würde ich auch aufhören mich selbst zu erkennen und weiter zu wachsen, also aufhören zu leben!

Christus hat nie aufgehört zu leben und er wächst mit dem Herzen eines jeden Menschen, das sich seinem Wesen öffnet. Er wächst mit jedem Menschen, der ihm erlaubt, ihm das zur Verfügung zu stellen, was er selbst gemeistert hat, und dem er zeigen darf, dass er längst schon in seinem Herzen wohnt und ein Teil seines Wesens ist: Seine Brücke zu Gott!

Wenn ich mich seinem Wesen öffne, so öffne ich mich der Möglichkeit, durch ihn die Brücke zu Gott in mir selbst aber auch außerhalb von mir zu fühlen und sie selbst zu erbauen. Dann bin ich selbst zur Brücke geworden, ja ich bin selbst zu Christus geworden und muss nicht mehr den Anspruch in mir verstärken, erlöst zu sein, sondern ich lebe und ich wachse! Christus stellt mir also die Brücke zur Verfügung, die Brücke zu Gott, in mir und außerhalb von mir, und das bedeutet er hilft mir die Brücke selbst zu erbauen, die Brücke zu meiner Selbstbestimmung und Selbstverantwortung und die Brücke zu wahrer Hingabe an das Leben, an Gott, an andere Menschen, an meine Umwelt!

Christus hat selbst diese Brücke erbaut, die Brücke zu sich selbst, aber auch die Brücke zu Gott, also die Brücke zu wahrem Leben. Er hat diese Brücke erbaut durch sein Leben und durch sein Sterben, weil er einerseits die volle Verantwortung für sich selbst übernommen hat, indem er den Versuchungen widersagt hat, sein Herz bzw. seine Seele zu verkaufen und ein Kind (Sohn) Gottes blieb, und weil er sogar im Tod und auch darüber hinaus nicht aufgehört hat zu lieben, also sich Gott hinzugeben und ihm zu vertrauen.

Deshalb kann er mir all dies zur Verfügung stellen, ob ich ihn kenne oder nicht, ob ich ihn fühle oder nicht, ob ich ihn höre oder nicht, einfach nur, weil ich mich auf ihn einlasse, ihn also in mich hineinlasse. Und dazu braucht es weniger einen geistigen Führer oder Vermittler, als den Mut, mich innerlich zu erheben und Gott oder Christus zu bitten, sich meiner anzunehmen.

Ich habe immer wieder in mystischen Lehren vollkommen verschiedener Kulturkreise entdeckt, dass die „Eingeweihten“ die Begegnung bzw. das Einlassen auf Christus als den wichtigsten Akt in ihrem spirituellen Wachstum beschrieben haben, auch wenn ihnen die so genannte „christliche Lehre“ fremd war. Ich habe erkannt, dass die Begegnung mit Christus niemals an eine Institution, an eine Religion, an eine bestimmte Lehre oder an eine bestimmte Kultur gebunden ist. Es ist einfach die ganz persönliche Begegnung mit ihm in mir, in meinem Herzen.