Die Dreieinige Kraft des Christus Band I:

"Mut zur Wahrheit"


Kapitel 4

Der Antrieb des Menschen: Sicherheit finden!


Selbst so machtvoll sein wie Gott

oder jemanden finden, der ist wie Gott, um sich ihm hinzugeben,

nach dem Motto:

"Der Stärkste überlebt, also muss ich der Stärkste sein oder mich dem Stärksten unterordnen."

Die Suche nach Sicherheit ist einer der wichtigsten Grundantriebe des Menschen. Ein Tier geht mit dem Bedürfnis nach Sicherheit so um, dass es seinem Instinkt zu Hundertprozent vertraut, das ist seine Sicherheit. In der Natur können wir es oft beobachten, dass sich die Tiere in einer Herde instinktiv dem Stärksten unterordnen und diesem Leittier dann bedingungslos, oft sogar auch in den Tod folgen, was jedoch nichts mit Rangordnung im menschlichen Sinne zu tun hat, sondern aus ihrem Instinkt heraus geschieht. Egal ob es um Nahrung, Schutz, Fortpflanzung oder Aufzucht geht, ein Tier verlässt sich immer auf seinen eigenen Instinkt, der nicht aus seinem Gehirn, sondern aus seiner Seele oder aus seinem wahren Wesen kommt. Ein Pferd würde z.B. nie versuchen zu leben, wie ein Tiger, es fühlt sich sicher als das, was es ist. Wenn Gefahr droht, wird es immer versuchen zu flüchten, weil es eben ein Fluchttier ist. Es kennt seinen Körper und seine Möglichkeiten, es ist sich seines Körpers voll bewusst. Ein Tier ist sicher! Da sie nicht den gleichen freien Willen wie der Mensch haben, ist ihre Sicherheit ihr Instinkt. Es erscheint uns nur so, dass manche Tiere unsicher leben, weil sie sehr leicht mit ihrem Tod konfrontiert werden. Die Sicherheit eines Tieres, aber auch aller anderen Lebewesen, die noch natürlich leben, liegt darin, dass sie das sind, was sie sind und nicht versuchen, anders zu sein. Natürlich lernen sie auch dazu und entwickeln sich, aber es gibt für sie keine Trennung von ihrem eigenen Wesen. Nur der Mensch trennt die Tiere oftmals von dem Ausdruck ihres natürlichen Wesens, nicht aber von ihrem Wesen selbst. Vermenschlichte Tiere verhalten sich nicht mehr natürlich, weil ihr Instinkt durch die emotionale Prägung des Menschen entfremdet wurde. Dadurch wirken sie oft fast menschlich, dennoch ist dies lediglich ein vom Menschen übernommenes Verhalten, es ist nicht echt. Da sie nicht den freien Willen haben wie der Mensch, können sie sich auch nicht entscheiden, es nicht zu übernehmen, sondern tragen meist nicht nur das Verhalten, sondern auch Krankheiten eines Menschen bis zum Tod. Dennoch bleibt ihr Wesen davon unberührt.

Tiere leben nicht getrennt von ihrem wahren Wesen und der Tod ist für sie nichts, was es zu vermeiden gilt, wenn er sowieso bevorsteht, sondern etwas, was dazugehört. Wenn sie sterben, geben sie sich hin und werden wiedergeboren, da ein Teil von ihnen sich sehr wohl bewusst ist, dass sie in Gott existieren und deshalb ihr wahres Wesen nicht sterben kann sondern ewig lebt.

Als erwachsener Mensch weiß ich nicht mehr, wie ich natürlicherweise bin, und habe auch kein Gefühl mehr von Sicherheit in mir selbst. Über die Prägungen und Verhaltensweisen, die ich in meinem Leben übernommen habe, habe ich leider auch den Bezug zu meinem wahren Wesen und meist auch zu meinem Körper verloren. Auch das Gefühl von Ewigkeit ist mir abhanden gekommen. Ich erlebe mich getrennt von der Natur, getrennt von der Ewigkeit und getrennt von Gott.

Da ich mich also getrennt von Gott erlebe, gibt es dieses 100-prozentige Vertrauen in mir nicht mehr und somit auch keine Sicherheit in meinem eigenen Wesen. Ich brauche andere Sicherheiten, weil ich meinem Instinkt, meiner Intuition und meiner Göttlichkeit nicht mehr vertraue.

Ich habe viel zu viel Angst vor meinem eigenen Instinkt, weil ich glaube, dann wie ein Tier zu handeln, d.h. grausam und abartig. Der Instinkt eines Tieres entspringt jedoch immer seinem wahren Wesen, also seinem Herzen und niemals seiner Überlegung oder gar seinem Trotz. Ein Tier reagiert also immer reinen Herzens und kann niemals grausam sein. Lediglich sein Verhalten wird grausam, wenn es vom Verhalten des Menschen geprägt ist. Grausam und abartig bin ich nur als Mensch, weil ich versuche, meine eigene Natürlichkeit, also auch meine Tiernatur, abzuwehren, zu verdrängen, zu kompensieren und sie als böse und falsch zu erklären, anstatt sie zu befreien. Dadurch schneide ich mich selbst immer mehr von der Fähigkeit ab, die Natur in ihrer Schönheit zu empfinden. Ich fühle immer weniger im Umgang mit irdischen Dingen, mit meinem eigenen Körper oder mit meinen Mitmenschen. Nur in der Annahme meines eigenen Instinktes könnte ich wieder fühlen, dass mein Körper etwas Wunderbares ist und die Liebe meines Herzens ihm seine Schönheit verleiht, da sie stärker ist als alle Angst, alle Grausamkeit und auch stärker als alle Krankheit. Der Instinkt ist ein wunderbarer Zugang, um wieder auf natürliche Weise mit meinem eigenen Körper aber auch mit der Natur und mit meiner Umwelt umzugehen. Der Mensch ist nicht dazu da, seinen Instinkt zu verdammen, sondern ihn zu nutzen, um die Natur in ihrer Schönheit erblühen zu lassen.

In meinem Trotz und in der Verweigerung, den Instinkt und die Natur als göttlich anzusehen, lebe ich als Mensch erst recht lieblos, versuche selbst der stärkere zu sein oder mich mit dem stärkeren gut zu stellen. Ich mache mir die Erde nicht untertan, sondern ich dominiere, unterdrücke und benütze sie, und sehe dabei zu wie alles vernichtet wird was natürlich ist. Dies tue ich natürlich nicht aus meinem Herzen, sondern eben aus meinem Trotz und meiner Verbitterung heraus, und vernichte somit jegliche Natürlichkeit, in mir selbst aber auch in meiner Umwelt.

Als kultivierter und zivilisierter Mensch glaube ich, es gäbe etwas Höheres als den Instinkt eines Tieres, dem Wachstum der Pflanzen und dem einfachen Dasein eines Steines. So versuche ich, Ersatzsicherheiten zu finden oder zu erschaffen.

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Schöpfung (die Erde, das Erschaffen) ist der Wille Gottes mit dem Wunsch nach Selbstausdruck und Selbsterkenntnis.

Da Gott in mir ist, bräuchte ich also nur mein Herz zu öffnen und mich selbst, d.h. mein Innerstes auszudrücken, um Gott in mir zu erleben und um den Himmel auf der Erde zu erschaffen. Das Paradies würde auf der Erde entstehen, wenn ich in mein Innerstes vordringe und beginnen würde, es zu erkennen, es zu fühlen und zum Ausdruck zu bringen.

Da wir alle eins sind mit Gott, ich mir dessen aber nicht mehr bewusst bin, versuche ich, diese Schöpferkraft - meist im Außen - wieder zu finden, da ich ja bewusst oder unbewusst ahne, dass ich mich wieder sicher fühle, wenn ich eins bin mit dieser Schöpferkraft, mit dieser größten und stärksten Macht. Der einzige Weg, mich ohne Gott sicher zu fühlen, ist also, zu sein wie Gott, oder jemanden zu finden, der wie Gott ist, um mich ihm dann hinzugeben.

Da wir alle in Gott leben und ich durch Gott in mir selbst mein Leben erschaffe, mir dessen aber nicht mehr bewusst bin, versuche ich, das Gefühl wieder zu bekommen, dass ich irgendetwas in meinem Leben erreicht oder erschaffen habe. Durch dieses Gefühl, etwas geschafft zu haben, fühle ich mich dann wieder sicher, auch wenn dieses Gefühle nicht immer lange anhält. Meist muss ich sehr bald erneut versuchen, etwas zu schaffen oder zu erreichen, weil der Unterschied zu anderen noch zu gering ist. Oder ich ordne mich einem Menschen, einem System, einer Religion, einer Sekte oder irgendeiner anderen Institution unter, von der ich glaube, dass ich mich durch die Verwirklichung ihrer Wünsche wieder sicher fühle.

In der Entwicklung der Menschheit versucht seit jeher ein Teil der Menschen, sich die Erde untertan zu machen, d.h. Macht und Kontrolle über alles zu bekommen, was er nicht versteht und was ihm das Gefühl von Unsicherheit geben könnte. Da er aus der Einheit mit Gott heraus gefallen ist, versucht er, die göttliche Schöpferkraft zu ersetzen. Der andere Teil der Menschen versucht im kleinen wie im großen den idealen Guru, Chef, Partner… zu finden, um sich unter dessen Führung wieder sicher zu fühlen.

Im Prinzip lebe ich also genau so, wie ich es bei den Tieren als grausam oder lieblos bewerte, obwohl ich doch immer so sehr beteuert habe, dass ich nicht wie die Tiere lebe, sondern ein zivilisierter Mensch bin. Es ist eben doch einfach nur die Projektion meiner eigenen Lieblosigkeit, dass ich glaube, die Natur oder die Tiere wären grausam, lieblos und hätten keine Seele. Lieblos gehe ich mit mir selbst um, weil ich weder mich selbst noch Gott wirklich fühle, sondern mich ständig nur ablenke und damit beschäftige, meine Ersatzsicherheiten im Außen zu pflegen.

Der entscheidende Unterschied zwischen Mensch und Tier ist der, dass das Tier sich selbst, Gott und das Leben kennt, weil es weder den Willen noch die Fähigkeit besitzt, sich davon zu trennen, während der Mensch sich nicht bewusst ist, wie sein wahres Wesen ist, weshalb auch seine Bewertung immer nur Projektionen und sein Verhalten immer nur eine Imitation sein kann. Deshalb ist es eine Illusion zu glauben, dass der Mensch besser ist, als ein Tier. Noch ist er viel unbewusster als ein Tier oder die Natur es jemals war.

Der Mensch degradiert die Tiere und die Natur, weil er glaubt, dass sie grausam sind, doch grausam kann ein Tier nicht sein, da es dazu einer bösen, also einer von Gott getrennten Absicht bedarf, die es in der Natur allerdings nicht gibt! Die Natur kann sich selbst keinen Schaden zufügen, weil sie nicht getrennt von sich selbst existiert. Der Mensch kann sich selbst und auch der Natur Schaden zufügen, weil er getrennt von seiner eigenen Göttlichkeit lebt.

Allerdings gibt noch diese Ahnung, dass im Menschen ein höheres Wesen existiert, und dass er die Kraft besitzt, etwas zu erschaffen. Deswegen liegt es auch in meiner menschlichen Natur, dass ich nicht mehr wie die Tiere leben will, die in der Einheit mit Gott leben und einfach ihren Instinkten folgen, so wie es auch viele Ureinwohner auf dieser Erde getan haben. Ich versuche, etwas Besseres oder Höheres zu sein, zu finden oder zu erschaffen. Diese Ahnung von etwas Höherem ist es, die mich nicht einfach natürlich leben und mich selbst sein lässt, sondern mich immer wieder antreibt, etwas zu erreichen oder zu beweisen, dass ich besser und wertvoller bin als Tiere, Pflanzen oder Steine oder als so genannte "primitive" Menschen.

Durch die spirituelle Orientierungslosigkeit und den Verlust der existentiellen Werte habe ich keinen natürlichen Bezug mehr zu meinem wahren Wesen und verliere meine Sicherheit, die aus dem selbstverständlichen Gefühl für meine eigene Göttlichkeit kommt, meist schon in den ersten Lebensmonaten. Ich höre sehr früh schon auf, mich selbst auszudrücken, d.h. das zu tun, was ich selbst wirklich will und beginne das zu leben, was meine Umwelt für „richtig“ hält, auch um all die Menschen meiner Umwelt nicht zu sehr zu verunsichern.

Da ich meine Sicherheit verloren habe, benehme ich mich meistens wie ein Baum, der versucht, möglichst klein und unscheinbar zu bleiben, damit die Gänseblümchen, die um ihn herum wachsen, sich nicht kleiner vorkommen. Dies dient zwar niemandem, aber es lässt mir die Illusion, wenigstens im Außen durch etwas verbunden zu sein, das mich mit den anderen gleich fühlen lässt: Meine Angepasstheit, meine Lauheit, meine Kleinheit oder meine Oberflächlichkeit.

Ich entfremde mich immer mehr von meinem wahren Wesen und werde dann irgendwann zu bewussten oder unbewussten Suchern.

Die einzige Sicherheit, die ein menschliches Wesen hat, ist die Sicherheit, eins zu sein mit Gott. Um diese wieder zu finden brauche ich Mut zur Wahrheit, die Bereitschaft zur Versöhnung und das Vertrauen, dass Gott in mir wohnt und wirkt.

Bin ich wieder eins mit Gott, also fühle ich in einem Moment diese Einheit in mir, dann fühle ich die einzige Sicherheit, die es wirklich gibt. Dann kann ich alles sein oder werden, alles erleben und alles ausdrücken, natürlich auch das unangenehme. Durch diese Kraft muss ich nicht mehr wegschauen, sondern kann hinschauen oder auch durch unangenehme Dinge hindurchgehen, so dies mein Weg ist. Ich habe dann die Kraft gefunden, die es mir ermöglicht, durch alles hindurch zu gehen, also nicht mehr aufzuhören, meinen Weg zu gehen, da ich endlich fühlen kann:

Ich bin ewig!