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Die unsagbare Kraft des Lebens...

Welch unglaubliche Kraft das Leben doch in sich birgt. Immer wieder fällt es mir auf, wie sehr das Leben sich auch unter schwierigsten Bedingungen durchsetzt. Egal ob es an uralten Steinmauern oder auf dickem Asphalt ist - lässt man es eine Zeit lang in Ruhe bricht plötzlich die Natur wieder durch und nein, nein, es sind keine gewaltigen Erdbeben, die den Asphalt zum aufbrechen zwingen, auch keine mächtigen Tornados, die die Mauern zum Einstürzen bringen - einfaches Gras, zarte Blumen und Gewächse, beginnen dort zu wachsen, wo eigentlich nichts wachsen kann. Ganz friedlich und ganz ohne rohe Gewalt erobert die Natur ihr Reich zurück und verzaubert härteste Betonbauten in wundersame Ruinenfelder, umrankt von meist einfachen aber wunderschönen Gewächsen. Gerade das einfachste und zarteste Gewächs von allen - das Gras - kommt überall wieder zu Tage, wo es auch nur die kleinste Ritze Platz gibt.

Wie kann es sein, dass riesige gepflasterte Felder aus Betonsteinen plötzlich von einem so zarten Gewächs wie dem Gras eingenommen, ja sogar in ihrer ganzen Stabilität in Frage gestellt werden? Oder hätten sie auf einer Liste über die größten Kräfte der Natur auch das Gras hinzugezählt? Und das, wo doch der Beton um so vieles stärker erscheint, als die weichen Kräfte der Natur!

Wie würde der Mensch von heute es wohl anstellen, als Beispiel einen Fels zu sprengen? Wohl mit Dynamit oder mit möglichst großen Maschinen, also mit möglichst viel Kraft. Doch ein alter Trick aus unserer Vorfahrenzeit zeigt, dass viele Naturvölker dies auch damals schon - allein mit der sanften Kraft der Natur - zu Wege gebracht haben. Um einen Fels zu sprengen haben sie etwas sehr Einfaches gemacht: Sie haben Löcher im Fels gesucht oder auch extra angefertigt und in diese Löcher trockenes Holz gesteckt. Dieses Holz haben sie dann mit Wasser übergossen und die Ausdehnung des Holzes hat dann den Fels gesprengt...

Wasser und Holz, stärker als jahrtausend alter Fels?

Oder wie ist das an den Felsküsten von vielerlei Inseln, was ist da wohl stärker - der harte Fels der Küste oder das Wasser des Meeres? - Nun, natürlich verliert der Fels, denn gegen die sanfte und stetige Kraft des Wassers kann er nicht an und muss doch nachgeben...

Was für eine Kraft muss also im Leben wirken, wenn letztlich doch so sanfte Kräfte siegen? Was muss das für eine Kraft sein, die uns alle nährt, uns mit all unseren Fehlern lässt, wie wir eben sind, die uns mit all dem Hass, den wir aufeinander werfen und all der Gewalt, die wir dem Leben antun, uns dennoch Leben lässt? Und noch dazu bekommen wir stets eine zweite Chance oder sogar auch eine dritte. Immer wieder tun sich neue Chancen auf, es noch einmal zu versuchen. Immer fort ist das Leben darum bemüht, dass wir erwachen, dass wir das Leben selbst erkennen, uns an den Schöpfer von all dem erinnern.

Was muss das für eine unglaubliche Kraft sein, die Gott oder dem Leben innewohnt, wenn er etwas so Wunderbares wie die Erde erschaffen hat, die er dann uns allen überlässt und dabei zusehen muss, wie die Natur oder auch unser eigener Körper systematisch durch Hass, Wut und Ignoranz zerstört werden?

Wie schwer tun wir uns doch als Mensch, alleine nur mit den Menschen in unserer Umgebung auszukommen, die grade nicht "folgen", nicht der Norm entsprechen, vielleicht nicht so denken wie wir oder einfach gerade nicht in unsere eigene Welt passen. Wie schwer tun wir uns auch mit uns selbst, wenn wir mal nicht funktionieren, wenn wir aus dem System fallen, nicht der Norm entsprechen...

Ja, ich denke mir oft, dass es eine wunderbare Kraft im Leben geben muss, die mit all dem umgehen kann, mit dem wir uns noch weigern umzugehen! Ich glaube fest an eine bzw. an eine Vielfalt von Kräften, die im Leben wirken, welche - wenn wir sie wieder lernen würden - uns ermöglichen könnten, schön langsam und Stück für Stück, mit allem wieder umzugehen, was auch immer uns noch schwierig erscheint. Vielleicht kann sich so mancher das nicht vorstellen, aber ich glaube dennoch fest daran, dass wir einfach die richtige Kraft erst wieder finden müssen, dann werden wir auch wieder Frieden schaffen, nicht nur im Außen - "scheinbar" und mit vielen Kompromissen - sondern wahren Frieden, tief in mir und vor allem auch MIT MIR SELBST und auch mit meinem ganzen Leben.

Wie groß muss doch die Liebe sein, mit der uns Gott liebt, wo wir ihm und auch dem ganzen Leben mit soviel Ignoranz, Ablehnung und Hass begegnen.

Ich habe mich oft gefragt, woher er denn nur die Liebe nimmt, die er für uns hat und warum er mit all dem umgehen kann und wir nicht, wo wir doch letztlich seine Kinder sind? Nun, die Antwort ist einfach und auch logisch, wenn auch ungewohnt für uns: Seine Kraft kann nur aus der Liebe kommen, die er vor allem für sich selbst empfindet und somit auch für unser aller wahrem Wesen! Nur deshalb ist seine Liebe soviel größer, weil sie genährt wird durch sich selbst! Und eigentlich hätten wir ja alle diese Kraft in uns, würden wir uns selbst wieder so sehr lieben, als Kinder Gottes, die wir doch alle sind. So oft erlebe ich das unbezahlbare Strahlen in den Augen eines Menschen, der seine Liebe zu sich selbst wieder gefunden hat.

Doch ist Liebe zu mir selbst noch keine Tugend und wird oftmals als Egoismus nur ausgelegt. Doch ist`s ja nicht mein Ego, das da liebt, sondern mein Herz, in dem mein wahres Wesen liegt verborgen. Nur im Herzen liegt die Kraft, mich selbst auf meinem Wege zu begleiten, der zurück zu meinem wahren Wesen führt und sicher auch durch viele Täler noch. Barmherzigkeit ist wohl gefragt im Umgang mit so vielen eignen Fehlern und auch ungeliebten Emotionen.

So schwer fällt es uns selbst, weil einfach noch zu ungewohnt, uns mit so manchen Emotionen - einfach mal in den Arm zu nehmen und ihnen zu erlauben, einfach da zu sein...

So als Beispiel ist die Wut ein doch so unbeliebtes Gefühl, was möglichst es zu vermeiden gilt. Doch wie ist das in der Natur? Ist Wut wirklich ein Gefühl, das das Leben selbst verneint?

Stell dir mal vor, die Wut, die wäre ein feuerroter Kaktus, mit langen großen Stacheln und mit feurigem Erscheinen. Gehört dieser Kaktus zum Leben nun dazu? Ist er denn wirklich so falsch, nur weil er etwas unbeliebt? Nein ganz sicher nicht! In seinem Innersten weiß er es wohl, dass auch er ein Teil des Lebens ist und aus der Ferne gesehen - mal ganz ehrlich - ist`s auch ein faszinierendes Erscheinen. Letztlich ist doch nun entscheidend, wie mit ihm umgegangen wird! Lässt man ihm seinen eignen Raum und lernt man, sich ihm sanft und dennoch auch bestimmt zu nähern, so wird man sich auch nicht verletzen. Rennt man ihn an oder versucht ihn zu überfahren, wird man wohl seine Stacheln fühlen...

Der Mensch der seine eigne Wut nicht kennt, der sie nicht nehmen oder nicht aushalten kann und sie verdrängt oder eben auch an andre noch loswerden muss, weil er im Kampf mit ihr noch lebt, der hat halt nie gelernt, sich zu erlauben, dieser feuerrote Kaktus zu sein. Und ganz sicher wusste er auch nicht, dass das Leben die Kakteen ganz genauso liebt wie auch die anmutigsten der Lilien.

Überleg doch mal, wer lässt dich atmen und dein Leben leben, ganz egal ob du etwas draus machst? Was muss das für eine Kraft sein, die ALLES Leben ehrt und dennoch nicht aufhört, uns ständig an unser wahres Wesen zu erinnern? Wie schwer fällt es uns oft, zu erlauben, einem Menschen, dem eignen Kind, dem Partner oder auch dem Untergebenen, seinen eigenen Weg zu gehen? Und wie sehr lässt das Leben selbst, uns einen jeden Weg doch gehen? Und wie sehr macht es uns auch wieder Mut, wenn im Frühling - nach einem noch so langen Winter - die Blumen wieder blühen, dass auch wir unsre eignen Tiefen überwinden werden?

So möchte auch ich nun wieder einmal Mut machen, sich an die wahre Kraft des Lebens zu erinnern, die alles Leben stets erschafft und uns auf sanfte Weise - auch an unsern eignen Ursprung stets erinnert. Einfach wieder ein Stück weit mehr in meinem Herzen an diese Kraft erinnern und ihr erlauben, auch wieder mehr in meinem Leben Platz zu nehmen, um mir die Freiheit wieder zurückzuschenken, der zu sein, der ich einst wirklich war...

Heliamus


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