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Schon einige Male habe ich versucht, über das "Verlieben" aus geistiger Sicht zu schreiben, doch ist das nicht ganz so einfach, weil alleine die Definition von Liebe in der geistigen Welt eine ganz andere ist, als in unserer Gesellschaft. Liebe ist in der geistigen Welt wie eine Blüte, die erblüht oder ein Baum der in voller Pracht seine Schönheit offenbart, aber auch wie eine Brennnessel, die kraftvoll verwurzelt sich in den Himmel streckt und sich den Raum einfach nimmt, den sie zum Blühen braucht...


Verlieben - Krankheit und Heilung in Einem

Liebe wird in der Menschenwelt, also in unsere Gesellschaft als EIN bestimmtes Gefühl definiert, welches ich fühle, wenn ich ... z.B. jemanden schön finde, jemand mein Herz berührt, jemand nett zu mir ist, jemand so denkt wie ich, so fühlt wie ich...

Für dieses WENN gibt es tatsächlich so viele Bedingungen, wie es Menschen gibt. Dies ist jedoch nicht wirklich Liebe, sondern eine bestimmte Form von angenehmer Herzenergie, welche ich jemandem bereit bin zu geben, wenn er meine bewussten oder unbewussten Bedingungen erfüllt.

Eigentlich stellt diese Bedingungen mein Inneres Kind, welches unbewusst aber dennoch präsent in mir immer noch wirkt und mich glauben lässt, dass es sich geliebt fühlt, wenn die Bedingungen erfüllt werden. Doch sucht diese Kind nach seinen Eltern, also sucht es sich aufgrund der eigenen Prägungen genau wieder diese Menschen aus, von denen es immer noch vergeblich versucht, geliebt zu werden (Eltern, Ahnen...). Leider ist dies wirklich eine selbstverständliche Tatsache, dass die meisten in ihrem verliebt sein unbewusst die Liebe ihrer Eltern suchen und nicht die eines Partners. Mit "jemanden Lieben" meinen wir Menschen eigentlich, dass wir diesem Menschen unser Herz öffnen, mit der Hoffnung, dass er uns dafür etwas Schönes oder Angenehmes dafür gibt. Lieben heißt für uns Menschen also vielmehr von jemandem etwas annehmen oder haben zu wollen, nicht, dass wir etwas geben wollen bzw. nur wenn wir dafür auch etwas bekommen. Ja, wir geben unser Herz, dir gehört mein Herz, dir gehört meine Liebe... - heißt es oft, doch dahinter steckt unser inneres Kind, das danach schreit, endlich geliebt zu werden, aber eben von anderen geliebt zu werden und nicht von mir selbst.

Genau diese Form der Liebe schafft auch soviel Leid in Beziehungen, da wir durch einen viel zu großen Mangel an Liebe im Grunde tief verletzt sind und versuchen, durch gegenseitiges Geben und Nehmen von angenehmen Gefühlen diesen Schmerz zu überdecken. Leider machen wir ihn dadurch nur immer schlimmer und es ist umso sicherer, dass tiefe Verletzungen folgen. Nicht so sehr, weil wir verletzt werden, sondern vielmehr dadurch, dass wir schon verletzt sind, ja uns selbst ständig weiter verletzen, weil wir viel zu viel vom anderen persönlich nehmen, anstatt zu erkennen, dass meine Verletzungen schon alt sind und sich nur wieder zeigen.

Betrachten wir einmal den eigenen Partner aus höherer Sicht, dann hat er genauso viele Verletzungen wie ich - nur eben meist andere, er hatte schließlich auch eine ganz andere Vergangenheit. Dass ich dem anderen genau das gebe könnte, was er braucht ist also unmöglich, da seine Verletzungen in seiner eigenen Vergangenheit entstanden sind und genau dort heilen müssen, indem er sich erst einmal selbst diesen Erinnerungen zuwendet.

Auch ist es unmöglich, dass der andere mir genau das gibt, was ich brauche, da auch mein inneres Kind von mir selbst geheilt werden muss und nicht von anderen. Ich selbst muss lernen, dieses Kind meiner Vergangenheit anzunehmen, es zu heilen, zu lieben und leben zu lassen, denn letztlich habe ich ja aufgehört etwas wunderbares, kindliches, Liebevolles in mir selbst nicht mehr zu leben.

Versuchen wir die Heilung uns Gegenseitig zu geben, entstehen meist immer noch mehr Verletzungen, durch Abhängigkeiten und durch die fehlende Heilung an der richtigen Stelle. Heilung, d.h. soviel Liebe, dass etwas in mir heilt, dass kann uns eigentlich auch nur in der ganz persönlichen Liebe und Hinwendung zu Gott geschenkt werden, wobei wir alleine schon sehr viel Heilung in uns selbst finden, wenn wir wenigstens uns selbst erlauben unsere eigenen Gefühle barmherzig anzunehmen. Das ist auch der Weg zu der Liebe, die uns die geistige Welt versucht nahe zu bringen: Liebe zu uns selbst, Liebe zu Gott!


Liebe gibt es aus göttlicher Sicht in zwei Richtungen:

Die erste Richtung wäre im Senden, das bedeutet ich öffne mein Herz, weil soviel Liebe darin ist und erlaube somit zu Strahlen. Dieses Gefühl "zu lieben" entsteht, wenn ich all meine eigenen Gefühle annehme und mein Herz für mich selbst öffne und dabei emotional begreife, dass tatsächlich Liebe in mir selbst ist, ich also selbst zur Liebe fähig bin. Das bedeutet, Liebe aus geistiger Sicht ist nicht ein bestimmtes Gefühl, sondern das Annehmen ALLER Gefühle, die in mir sind. Erlaube ich mein Herz für alle Gefühle zu öffnen, die in mir sind, lerne ich erstens zu unterscheiden, zwischen dem, was aus meinem wahren Wesen heraus will, in mir leben und lieben will und aber auch was einfach nur übernommene Gefühle oder Verhaltensweisen sind, und zweitens fange ich an meine wahren Gefühle mehr zu zeigen und zeigen bedeutet teilen, mitzuteilen, also mit anderen zu teilen.

Erlaube ich "echte Gefühle" habe ich diese nicht nur selbst zur Verfügung, sondern sie stehen jedem Menschen zur Verfügung - ich muss sie nicht hergeben oder liefern, sondern wie eine Blume, die ihre Blüte zeigt und somit ihr wahres Wesen teilt. Wie z.B. eine Rose, welche erblüht, egal ob wer sie sieht, an ihr riecht oder nicht oder auch ob ganz viele sie betrachten und an ihr riechen...

Dies ist der Weg in die Selbstliebe, denn niemand muss mich lieben, aber ich selbst! Sich selbst zu lieben bedeutet, die Verantwortung für die eigenen Gefühle zu übernehmen, die Verantwortung auch für den Umgang damit zu übernehmen und es bedeutet auch, dass ich meinen Körper, meine Gefühle und auch meinen Geist selbst annehmen, lieben lerne. Selbstliebe bedeutet, dass ich die Verantwortung übernehme, mein Herz aus mir selbst heraus wieder zu öffnen, ohne dass erst andere meine Bedingungen erfüllen müssen!

Diese Liebe mit einem anderen Menschen zu teilen ist etwas Wunderbares, aber der Weg dorthin, welcher zugleich der Weg heraus aus vielerlei inneren und äußeren Abhängigkeiten ist, ist sicher kein leichter. Vor allem zu erkennen, dass es nicht Liebe ist, wenn ich "den anderen" Liebe, sondern nur die Erfüllung von Erwartungen oder eben die Bereitschaft, etwas vom anderen anzunehmen oder haben zu wollen... wie soll ich auch jemanden lieben wenn ich mich selbst nicht liebe? Wie soll ich jemanden etwas geben, was ich für mich selbst gar nicht fühle? Wie mein Herz für jemanden öffnen, wenn es für mich selbst verschlossen halte?

Doch der Weg lohnt sich, denn was uns durch den Mangel an Liebe so sehr genommen wurde ist ein unendlicher Reichtum, eine Fülle so groß wie in der gesamten Natur sie nicht zu finden ist, ein Übermaß an Gefühlen, Emotionen, Stimmungen, welche unser Leben erst wirklich reich machen werden...

Die zweite Richtung der Liebe wäre im Empfangen, das bedeutet mein Herz ganz zu öffnen, ohne Bewertung, ohne Bedingung, ohne Sicherheit - Anzunehmen, was auch immer kommt, in der Tiefe meines Herzens zu fühlen, was auch immer gerade da ist...

Das ist den Menschen leider noch nicht möglich, weil ihnen nicht nur die Liebe zu sich selbst, sondern auch die persönliche Liebe zu Gott verloren gegangen ist. Stattdessen reichern die meisten nur äußere Dinge an, um sich dem angenehmen Gefühl von "genug haben" sicher zu sein. Dinge, Menschen, Ideen werden festgehalten und gehegt und gepflegt, nur um ja nicht zu fühlen, wie ungeliebt ich mich eigentlich fühle...

Doch nur wenn ein Mensch auch fühlt, wie sehr er von Gott, also vom Leben selbst geliebt wird, kann er lernen, sein Herz wirklich offen zu lassen - nicht nur für bestimmte Menschen oder in bestimmten Situationen. Auch dies ist ein langer Weg, auf dem der Umgang mit Traurigkeit und Schmerz noch sehr wichtig werden wird. Heilen soll noch so viel in meinem Leben - Wie? Durch das Erlauben von Versöhnung, von der persönlichen Hingabe an die göttliche Liebe, von einer unglaublich großen Sensibilität und Empfindsamkeit... Ja, auch das Erlauben von einem sehr kindlichen Wesen, das sich dem Leben mit ganzem Herzen hingibt und das in jedem von uns darauf wartet befreit zu werden. Und die Essenz ist Freude, unendlich viel Freude, zutiefst empfundene Freude und Dankbarkeit, weil das Leben mich so sehr liebt, dass es auch all meinen Schmerz heilen wird...

Wenn wir in Beziehungen also unsere Liebe zu uns selbst genauso wie unsere Liebe zu Gott wieder mehr in den Vordergrund stellen, sie pflegen und wachsen lassen, dann dürfen endlich eine Vielfalt an Gefühlen in unseren Beziehungen sein und unser Leben immer reicher machen. Teilen statt Brauchen, das ist die Veränderung, die in Beziehungen stattfindet. Mein Vertrauen beruht dann eben nicht mehr in meinem Vertrauen in meinen Partner, sondern einerseits in meinem Vertrauen in mich selbst, in meine eigene Intuition, in meine Liebe zu mir selbst und aber auch in meinem Vertrauen in Gott! Somit lege ich meine Beziehung immer und zu allererst in Gottes Hände...


Verlieben und Verlieren

Verlieben, was bedeutet das aus menschlicher Sicht? Nun, meist bedeutet verlieben, dass meine Liebe plötzlich entflammt, wenn ich jemand anderem - eben diesem einem bestimmten Menschen - begegne. Von diesem Menschen wird schon so viel erzählt, dass es meine Dualseele ist, das Gegenüber, das mit glücklich machen wird, mit dem zusammen ich mich wieder eins fühlen werde, durch das ich alles bekomme, was ich brauche... Leider soviel projizierte Wunschtheorien, die alle darauf aus sind, dass wir durch AUßEN geheilt werden, anstatt den inneren Reichtum zu entfalten, der in mir selbst noch unterdrückt ist.

Oh wie sehr habe ich mich doch verliebt in meinem Leben, und wenn ich nur glauben dürfte, dass mich der andere auch liebt, dann wäre mein Glück perfekt. Dieses Glücksgefühl fühle ich auch wirklich, wenn ich daran glaube bzw. es fühle, dass mich der andere wirklich liebt... (was auch immer das für jeden einzelnen genau bedeuten mag).

Nun ich versuche dies mal kurz in eine Blumensprache zu übersetzen: Wenn ich z.B. eine Rose wäre, dann fange ich zu blühen an, weil ein bestimmter Mensch an mir vorübergegangen ist. In dem Moment, wo mich der andere nicht nur anschaut, sondern sich mir liebevoll zuwendet, erblühe ich komplett! Tut er dies nicht, reiße ich entweder meine Wurzeln aus und renne ihm hinterher, um ihm auf die Schultern zu klopfen und ihm zuzuflüstern: Hey, lieb mich, lieb mich... oder ich bin enttäuscht oder verletzt und verwelke mit einem Schlag komplett...

Ist das wirklich Liebe??? Wenn ich mich verliebe, liebe ich dann den anderen wirklich? Oder warte ich auf die Liebe des anderen?

Welche Pflanze in der Natur erblüht, weil ihr jemand Anerkennung oder Liebe schenkt und welche hört auf zu blühen, weil sie vielleicht niemand beachtet? Warum blühen Pflanzen? Aus Liebe? Aus Liebe zu was oder zu wem?

Nun, die Natur erblüht zuallererst aus Liebe zu sich selbst und natürlich auch aus Liebe zu Gott, aber nicht weil jemand bestimmter ihr gerade Anerkennung schenkt! Die Liebe zu sich selbst hat dabei ganz viel damit zu tun, dass sich eine Blume so liebt wie sie ist und nicht versucht z.B. als Rose wie eine Sonnenblume zu wirken. Mit jeder Zelle ihres Körpers versucht sie sich selbst zu zeigen und zu leben. Wenn ich also verliebt bin, bin ich wie eine Rose, die Knospen hat, diese aber nicht öffnet, solange mich der andere nicht liebt bzw. solange nicht jemand kommt, der mich schön findet.... Liebt mich wirklich niemand, dann verwelke ich, bevor ich erblühe. Warum tu ich das? Nun, weil an meine Herzöffnung so viele Bedingungen geknüpft sind. In meinem Verliebtsein existieren ganz viele Bedingung, die teilweise natürlich unbewusst sind, aber teilweise auch bewusst. Bedingungen, welche erfüllt sein müssen, damit ich... mich zum Beispiel glücklich fühle. All diese Bedingungen haben jedoch mit dem anderen zu tun, also wie er/sie sein sollte, ausschauen sollte, sich verhalten sollte, wie seine Einstellung sein sollte, wie er/sie mit mir umgehen sollte.... usw.

Warum Bedingungen? Welche Bedingungen stellt eine Blume auf einer Blumenwiese, um zu blühen? Ist daran irgendein bestimmter Mensch beteiligt, irgendein Gegenüber? - Nein, sie blühen alle bedingungslos, also auch, wenn sie niemand beachtet. Selbst wenn sie niemand jemals in ihrem ganzen Leben gesehen, beachtet oder geliebt hat, so erblühen sie dennoch aus ganzer Kraft.

Warum stellen wir Menschen also so viele Bedingungen an die Liebe oder an einen anderen Menschen? Was wenn jemand diese Bedingungen nicht erfüllt, lieben wir ihn dann nicht? Ist das überhaupt Liebe, wenn so viele Bedingungen daran geknüpft sind?

Nun, die Antwort ist vielleicht nicht die, die man gerne hört, aber sie ist eigentlich logisch, wenn man sich bewusst machen, warum wir Bedingungen stellen: Bedingungen existieren immer nur, um etwas Bestimmtes zu vermeiden.

Als kleines Kind stellten wir noch keine Bedingungen für die Liebe, wir haben einfach geliebt und angenommen, was auch immer uns gegeben wurde. Dann jedoch, im Laufe der Zeit lernten wir sehr schnell zu vermeiden, Schmerz zu vermeiden, Traurigkeit zu vermeiden, Unsicherheit zu vermeiden, Angst zu vermeiden, Minderwertigkeit zu vermeiden, Versagen zu vermeiden, Fehler zu vermeiden, Wut zu vermeiden, Hass zu vermeiden, Frust zu vermeiden, Unfähigkeit zu vermeiden, Erinnerungen zu vermeiden, Kindlichkeit zu vermeiden, Verletzlichkeit zu vermeiden, Schwäche zu vermeiden, Sensibilität zu vermeiden...

So viele Gefühle, so viele Anteile von uns selbst lernten wir zu vermeiden. All dies lernte ich zu vermeiden, es nicht mehr anzunehmen, es nicht mehr mit dem Herzen anzunehmen, mich selbst nicht mehr mit dem Herzen anzunehmen. Und somit lernten wir auch stetig immer mehr die Liebe zu vermeiden, die Liebe in uns selbst, die Liebe zu uns selbst, die Herzöffnung für uns selbst, vor allem für all die unangenehmen Dinge. Und immer wenn wir die unangenehmen Dinge in uns vermeiden, vermeiden wir auch die angenehmen, denn wie auf einer bunten Blumenwiese sowohl blühende Pflanzen als auch Unkraut wächst, so gehören in uns eigentlich auch alle Gefühle zusammen. Vermeide ich das Unkraut, wachsen auch die Blumen nicht mehr wirklich, denn aus höherer Sicht gehört alles zusammen, ergänzt sich, nährt sich gegenseitig. Jede einzelne Emotion, jede einzelne Pflanze hat ihren besonderen Sinn in der Natur, genauso wie jedes einzelne Gefühl in uns selbst.

Verlieben wir Menschen uns, dann fühlen wir meist für kurze Zeit, dass im Außen etwas existiert, dass noch nicht unseren Bedingungen erlegen ist und wünschen uns, uns genau darin verlieren zu dürfen, genau darin für alle Zeit eintauchen zu dürfen, eigentlich es einnehmen zu wollen, es haben zu wollen, es besitzen zu wollen, damit ich eben nie mehr all das fühlen muss, was ich immer versuche zu vermeiden.

Und die Bereitschaft, mich dafür von Menschen oder von äußeren Dingen abhängig zu machen ist sehr groß, damit ich nur ja bekomme, was ich glaube wirklich zu brauchen, also was ich brauche, um all meine unangenehmen Gefühle nicht mehr fühlen zu müssen.

Im Verliebt sein geht es also gar nicht so sehr darum, etwas zu geben, sondern vielmehr darum etwas zu brauchen und auch etwas zu vermeiden. Doch vermeiden wir auch die Liebe, die Liebe zu uns selbst, die Liebe in uns selbst.

Was verlangt ein Gänseblümchen dafür, wenn es mich anlächelt? Wie sehr denkt es über denjenigen nach, der es betrachtet? - und dennoch lächelt es, die ganze Zeit, von ganzem Herzen, mit all seiner Liebe...

Und was verlangen wir dafür, wenn wir jemanden lieben? - Wirklich nichts? Ist es mir wirklich egal, was ich zurückbekomme, ob der andere mich auch liebt oder nicht? Was, wenn mich wirklich niemand mehr beachten würde? Wie abhängig bin ich eigentlich von der Zuwendung anderer?

Verlieben zeigt, dass ich mich in meinem Gegenüber verliere, mich nur ÜBER den anderen liebe, meine Liebe an mein Gegenüber verloren habe, das mir nun erlaubt zu lieben, je nachdem wie sehr er/sie vermeidet, mich mit meinen eigenen unangenehmen Gefühlen oder Verhaltensweisen zu konfrontieren. In der Gesellschaft nennt man dies "den idealen Partner suchen", also einen Partner, der mich möglichst nicht mit meinen Vermeidungsstrategien oder mit den darunter liegenden Themen konfrontiert.

Erlaubt mir der andere diese Liebe über ihn zeitweise oder generell nicht mehr, weil er, meist unbewusst und ganz ohne Absicht, mich mit meinen eigenen Bedingungen und den schon so lange vermiedenen Gefühlen konfrontiert, dann ist meine ganze Liebe plötzlich verloren. Weg! Doch wie geht das? Erst soviel Liebe und dann alles weg? Kann das sein? Dann kann ich den anderen plötzlich nicht mehr lieben, ihn vielleicht nicht einmal mehr aushalten. Ganz egal wie viel Schuld ich auch beim anderen suche, was ich nicht aushalte, ist in mir selbst und nicht im anderen. Denn in jeder Konfrontation mit den unangenehmen Seiten des anderen, werden mir nur meine eigenen Vermeidungsstrategien bewusst gemacht.

Was auch immer ich vermeide hat natürlich seinen Grund, aber der ist wohl zuallererst darin zu suchen, dass ich nicht gelernt habe, mit mir selbst liebevoller umzugehen und meine Heilung in meiner persönlichen Liebe zu Gott zu finden und nicht über einen Partner oder über ein Gegenüber, das selbst tief verletzt ist und deshalb selbst Angst vor zu tiefgehenden Gefühlen hat.

Im Verlieben sehe ich im anderen meist das Schöne, das Gute, das Heilsame, das Begehrenswerte, das Wertvolle, das Liebevolle, das Lustvolle.... Da ich im anderen aber nur erkennen kann, was ich in mir selbst habe, kann jeder davon ausgehen, das wir nur unsere eigenen nicht gelebten wunderbaren Seiten auf den anderen Projizieren und nicht erkennen, dass das, was wir im anderen sehen oder suchen, eigentlich in uns selbst ruht und darauf wartet entdeckt bzw. offenbart zu werden. Es ist einfach wie eine Rose, die andere Rosen betrachtet und ständig betont, wie schön die anderen sind, eben, weil sie sich selbst noch nicht erkannt hat.

Also läge im Verlieben auch die Chance auf einen wunderbaren Schritt der Heilung: Dazu müsste ich all das, was ich im anderen Liebe, in mir selbst suchen, erlauben, entwickeln, nähren, leben lernen. Diese Erlaubnis, all die wunderbaren Dinge meines Gegenübers in mir selbst zu finden, zu entwickeln und zu leben, ist wohl der größte und heilsamste Schritt in Beziehungen. Es ist der Schritt heraus aus der Abhängigkeit, heraus aus all den Geben & Nehmen - Spielchen, heraus aus dem Kampf, ob mir der andere auch genug zurückgibt, für das was ich ihm gebe, und es ist der Schritt hinein, in die Liebe zu mir selbst, in die Verantwortung, die Liebe in mir selbst zu finden, Glück in mir selbst zu finden, Freiheit in mir selbst zu finden, Ganzheit in mir selbst zu finden, endlich zu lernen aus mir selbst heraus meine Liebe erblühen zu lassen... eben zu teilen, anstatt zu brauchen.

Letztlich bedeutet es einfach ein barmherziger Umgang mit mir selbst, eine innige Versöhnung mit allen Gefühlen, die in mir noch alle bewusst gemacht und geliebt werden wollen.

In unserer Gesellschaft wurde uns von klein auf beigebracht, dass wir das Glück im Außen suchen sollen, weil dort ist, was wir brauchen. In Beziehungen wirkte sich das ganz besonders stark aus, dass niemand sich erlaubt, glücklich in sich selbst und mit sich selbst zu sein. Somit ist es in einer Beziehung nicht mehr möglich Liebe zu teilen, weil es immer darum geht, Liebe zu brauchen, dem anderen zu vermitteln, wie sehr ich ihn brauche oder wie sehr ich für ihn da bin, wenn er mich braucht.

Aus geistiger Sicht kann jedoch niemand die Liebe eines anderen erblühen lassen, sowie keine Blume die andere erblühen lässt, sondern jede aus sich selbst heraus blühen wollen muss. Jeder Mensch muss die Liebe in sich selbst suchen und finden und leben wollen. Erst dann beginnt ein Mensch wirklich zu lieben. Und wenn er dann auch noch lernt Gott zu lieben, wird er auch Heilung und stetiges Wachstum seiner Liebe erfahren. Wie ich in meiner Liebe wachse? Na ja, durch die Liebe zu immer mehr Dingen, die ich bisher noch nicht geliebt habe...

Wie Pflanzen erblühen wir durch die Liebe zu uns selbst

und wachsen weiter durch die Liebe zu Gott...

Verlieben zeigt immer mein Verlieren, meine Projektion, dass ich im anderen sehe, was ich in mir selbst nicht lebe oder liebe. Dennoch ist es auch eine Chance, genau diese Seiten in mir selbst zu suchen, in mir selbst anzunehmen und zu leben und mein Gegenüber als Fingerzeig und Aufforderung vom Leben zu nehmen, all diese Seiten in mir selbst zu integrieren.

Und natürlich besteht die Möglichkeit, dass mein Gegenüber diese Seite mit dir dann auch "teilt", was bedeutet, dass vielleicht wirklich eine Beziehung mit dem anderen entsteht, was aus meiner Sicht dennoch immer in Gottes Händen liegen sollte, als in meinen eigenen ach so kompromissbereiten Händen. In jedem Fall braucht es Mut für eine "wirkliche" Beziehung, denn je mehr ich mich auf den anderen einlasse, je mehr ich mein Herz öffne, umso sicherer werden alle alten Verletzungen wieder zu Tage treten - eben um geheilt zu werden und nicht mehr unter all meinen Vermeidungsstrategien begraben zu werden.

Für mich (als ehemaliger Vermeidungsspezialist) ist dies nur möglich geworden, durch eine große Liebe zu Gott und durch die Bereitschaft die Kraft in mir selbst zu leben, welche mich Christus zu allererst gelehrt hat:

Barmherzigkeit im Umgang mit mir selbst.

Denn sicher ist doch eines: Wenn ich meine Liebe wieder gefunden habe, dann erblühe ich auch wieder. Und wie viel habe ich nicht zu geben, wenn ich liebe? - egal, wie sehr der andere dies dann von mir annehmen oder auch mit mir teilen kann oder vielleicht auch nicht.

In jedem Fall möchte ich Mut machen, die Liebe zu dir selbst und die Liebe zu Gott wieder weit wichtiger zu nehmen, als die Liebe zum anderen, welche ohne Selbstliebe und ohne Liebe zu Gott doch letztlich nur ein Handel von irgendwelchen Zuwendungsenergien bleibt, hinter denen Erwartungsdruck, schlechtes Gewissen und Selbsthass, also ganz viel Minderwertigkeit stecken und auch transportiert werden.

Sich selbst einzugestehen, was ich alles brauche bzw. von was ich allem abhängig bin ist wohl der erste Schritt zur Heilung und der zweite Schritt, mir viele Gefühle und Erinnerungen einzugestehen, mit denen ich noch nicht wirklich umgehen gelernt habe und deswegen die Konfrontation damit vermeide.

Die Barmherzigkeit bleibt jedoch der wichtigste Schritt, denn durch diese Kraft erlaube ich auch Christus in meinem Herzen Platz zu nehmen. Und genau dieser Schritt ist es, über den die Gnade wirkt, denn durch Christus in meinem Herzen bekomme ich auch die Verbindung zu Gott selbst zurückgeschenkt.

Für mich bedeutet dies, dass ich mir selbst viele Gefühle erlaube, auch wenn ich mir mit vielen davon noch ganz schön schwer tu, Barmherzigkeit bedeutet jedoch, auch das zu erlauben. Und je mehr ich mir selbst diese Gefühle erlaube, umso leichter kann ich dann natürlich auch damit umgehen, wenn mein Gegenüber in diese Gefühle eintaucht....

Vom Leben berührt und dankbar für mein "Gegenüber"

Heliamus Raimund


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