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Wie will ich mein Ego überwinden, wenn ich es erst gar nicht fühlen will?

In der Anfangszeit meiner spirituellen Entwicklung versuchte ich, mein Ego loszuwerden, es einfach nicht zu fühlen, weil ich glaubte, dass das wichtig wäre, um zu einem lichtvollen Menschen zu werden. Doch erkannte ich irgendwann, dass das Ego nur ein Teil meiner eigenen Willenskraft ist, der gelernt hat sich gegen Gott, also gegen die Instanz des eigenen Herzens zu wenden, um irgendwie anders sein Leben zu gestalten. Wenn ich also "egolos" oder sogar "selbstlos" leben würde, würde ich ohne Willenskraft bzw. ohne mein Selbst leben! Ob es wirklich Gottes Wille ist, dass ich mein Ego oder mein Selbst "los" werde? Nein, sicher nicht, denn mein Ego ist nur ein Teil Verantwortung, der mir noch fehlt, und mein Selbst ist nichts anderes als ein Kind Gottes. Das Problem ist, dass wir nie gelernt haben, Verantwortung für uns selbst zu übernehmen und zu fühlen, dass wir im Grunde unseres Wesens ja wirklich Kinder Gottes sind.

Folgender Dialog ist entstanden aus vielen Gesprächen und eigenen Erfahrungen mit dem Ego. Viel Spaß beim Lesen.

Heliamus Raimund im August 2004

Karl, Santara und das Ego

Der Dialog handelt von einem Mann namens Karl, der auf der Suche nach Gott ist und einem weisen Mann namens Santara, den Karl aufsuchte, um ihn zu fragen, was ihn davon abhielte, als lebendiger Gottmensch hier auf Erden zu wirken. Dieser Antwortete ihm:

"Das ist nur dein Ego, das sich gegen Gott wendet."

Karl fragte, wie er denn sein Ego loswerden könne. Santara antwortete: "Überhaupt nicht!"

Karl: "Aber wie kann ich dann mein Ego dazu bringen, sich nicht mehr gegen Gott zu wenden?"

Santara: "Du musst es annehmen."

Karl: "Was heißt das?"

Santara: "Du musst erst einmal fühlen, dass du Gottes Willen gar nicht tun willst."

Karl: "Aber das will ich doch!"

Santara: "Aber warum folgst du ihm dann nicht?"

Karl: "Na ja eigentlich will ich Gottes Willen folgen, aber ich weis nicht was Gott wirklich will."

Santara: "Wenn du nicht weist, was Gott wirklich will, was tust du dann?"

Karl: "Ich warte!"

Santara: "Auf was?"

Karl: "Darauf, dass mir der liebe Gott zeigt, was er wirklich will! Ich frage ihn andauernd, aber ich bekomme einfach keine Antwort!"

Santara: "Das heißt also, dass du Gottes willen nicht folgen willst und lieber darauf wartest, bis er dir zeigt, was er wirklich will."

Karl: "Ja aber (irritiert), weil ich doch nicht weis, was Gott will?"

Santara: "Glaubst du, Gott will, dass du darauf wartest, bis du es weist?"

Karl: "Nein, denn ich verbrauche schon soviel Zeit und vergeude sonst ja noch mein ganzes Leben!"

Santara: "Wer will dann, dass du wartest?"

...Pause

Karl: "Mein Ego?"

Santara: "Genau!"

Karl: "Was mache ich jetzt?"

Santara: "Fühle den Teil in dir, der lieber wartet, als Gottes Willen zu folgen."

Karl: "Aber das will ich doch gar nicht?"

Santara: "Doch! Es gibt zwei Anteile in Dir: Dich und Dein Ego, und ihr lebt vollkommen unbewusst und getrennt voneinander. Ich denke es wird Zeit, dass ich euch beide miteinander bekannt mache! Also, fühle einmal, wie es ist, lieber zu warten, als Gottes Willen zu folgen."

Karl: "Ok, aber es fühlt sich nicht besonders gut an."

Santara: "Macht nichts fühle es trotzdem!"

Karl: "Ich fühle mich traurig und eingesperrt."

Santara: "Warum?"

Karl: "Ich weis nicht, bei dem Gefühl kommen viele Erinnerungen, wohl weil ich das auch als Kind schon so oft erlebt habe und es mich eben geprägt hat?"

Santara: "Wenn du deinen Erinnerungen nachgehst, also wenn du dich erinnerst, wie es früher war, wie geht es dir dann?"

Karl: "Es macht mich sehr traurig!"

Santara: "Was machst du mit diesem traurigen Kind von damals?"

Karl: "Ich versuche die Vergangenheit ruhen zu lassen und sie zu vergessen, damit ich im Jetzt lebe!"

Santara: "Funktioniert es?"

Karl: "Nein, nicht wirklich."

Santara: "Warum willst du deine Vergangenheit vergessen?"

Karl: "Weil ich nicht weis was ich sonst machen soll... ...schon wieder mein Ego?"

Santara: "Ja, aber probier doch einfach einmal aus, dieses Kind in deine Arme zu nehmen, es zärtlich zu streicheln."

Karl: (unter Tränen) "...das fühlt sich sehr gut an."

Santara: "Merkst du, Deine Trauer hat einen Grund, da in dir ein verletztes Kind ist, das darauf wartet befreit und geheilt zu werden! ...und da du nicht wusstest, was du tun sollst, hast du es verdrängt und wartest, dass irgendjemand kommt und es befreit."

Karl: "...und das ist also mein Ego?"

Santara: "Genau!"

Karl: "Also ist mein Ego gar nicht mein Feind, sondern nur eine Entscheidung gegen alte Gefühle?"

Santara: "Nein, natürlich ist es nicht dein Feind, dennoch hält dich diese und noch viele weitere Entscheidungen davon ab, dein Herz wieder zu öffnen, auch für Gott!"

Karl: "Weil ich keine Verantwortung für das verletzte Kind in mir übernehmen will?"

Santara: "Ja, und weil du dich weigerst, dein Herz für dich selbst zu öffnen."

Karl: "Was wird mit den anderen passieren, wenn ich mein Herz für mich selbst öffne? Werden sie damit umgehen können, es sind doch so viele Gefühle in mir?"

Santara: "Das ist ihre Entscheidung! Auf alle Fälle bekommen sie dadurch ihre eigene Verantwortung zurück, die du für sie getragen hast. Viel wichtiger ist jedoch, dass du die Verantwortung für dich übernimmst!"

Karl: "Ist Selbstverantwortung dann nicht lieblos und egoistisch?"

Santara: "Fühle doch einmal in dein Herz, fühle nur dich, nur dein inneres Kind, was fühlst du?"

Karl: "Verletzlichkeit, aber auch Liebe."

Santara: "Egoismus bedeutet, dass du andere Menschen für deine Zwecke ausnutzt. Hast du das Gefühl, dass du jemanden ausnutzen möchtest?"

Karl: "Oh nein, gerne würde ich meine Gefühle mitteilen, aber sicher niemanden ausnutzen!"

Santara: "Wer zweifelt also daran, dass in deinem Herzen Liebe ist?"

Karl: "Auch mein Ego?"

Santara: "Genau, und nur wenn du es annimmst, kannst du es fühlen und dann auch überwinden!"

Karl: "Ja..."

- Pause -

Santara: "Was möchtest du denn jetzt gerne machen?"

Karl: "Am liebsten in die Welt hinausschreien, dass ich Gottes Willen tun möchte, so laut, dass er mich hören muss! Ich möchte ihm sagen, dass ich seinem Willen folgen möchte, was auch immer das bedeuten mag!"

Santara: "Dann mach das doch!"

Karl: "Jetzt gleich?"

Santara: "Gibt es einen besseren Moment?"

Karl: "Nein!" ...und er redete sehr Laut und sprach: "Lieber Gott wenn du mich hörst, so glaube mir, ich will deinen Willen folgen, aber du musst mir sagen und zeigen, was ich tun soll!!!"

Santara: "Glaubst du Gott hat dich gehört?"

Karl: "Ich weis nicht."

Santara: "Versuch mal in dein Herz zu fühlen. ...kannst du fühlen ob Gott dich gehört hat?"

Karl: "Ja, jetzt schon."

Santara: "Warum?"

Karl: "Weil ich in meinem Herzen fühle, dass es Gott gibt und dass er mich hört, wenn ich ihn rufe."

Santara: "Glaubst du das wirklich?"

Karl: "Nein, ich weis, dass es so ist!"

Santara: "Warum bist du dir plötzlich so sicher?"

Karl: "Weil nur wahr ist, was ich in meinem Herzen fühlen kann, ...das weis ich jetzt!"

Santara: "Gut! Wenn nur wahr ist, was mit deinem Herzen fühlbar ist, wie willst du dann herausfinden, was Gottes Willen ist, wenn er dir Zeichen oder Hinweise in deinem Alltag gibt?"

Karl: "Ich muss es in meinem Herzen fühlen, dann weis ich, was wahr ist. Aber wie soll ich das denn nur im Alltag umsetzen? Ich kann doch nicht immer alles fühlen?

- Kurze Pause -

Santara: "Was hast du bisher in deinem Alltag gemacht?"

Karl: "Ich habe mich beschäftigt, mit vielen Dingen, oder ich habe gewartet, dass irgendwo ein Zeichen herkommt."

Santara: "War dabei dein Herz offen oder eher geschlossen?"

Karl: "Na ja, wohl eher verschlossen, denn ich hatte ja Angst."

Santara: "Vor was hattest Angst?"

Karl: "Ich weis nicht genau, vielleicht verletzt zu werden?"

Santara: "Möglich. Machst du dein Herz immer zu, wenn du Angst hast?"

Karl: "Na ja, ich denke schon."

Santara: "Glaubst du, dass du Gottes Zeichen fühlen kannst, wenn dein Herz verschlossen ist?"

Karl: "Nein, wahrscheinlich nicht."

Santara: "Und wer glaubst du, hindert dich daran, dein Herz zu öffnen, auch wenn du Angst hast?"

Karl: "Ja, ja, mein Ego."

Santara: "Versuch doch einmal zu fühlen wie das ist, wenn du dein Herz zu machst, wenn du Angst hast?"

- kurze Pause -

Karl: "Dann warte ich wieder. Tja, mein Ego findet es einfach immer besser, zu warten. ...das hat wohl wieder mit meinem ängstlichen und verletzten inneren Kind zu tun, das ich nicht fühlen will?"

Santara: "Ja genau. Was glaubst du, musst du also in deinem Alltag verändern, um Gott zu fühlen, seine Zeichen und Wunder zu erkennen?"

Karl: "Ich denke, ich muss mich entscheiden, ob ich die Verantwortung für meine Vergangenheit übernehme und mein Herz wieder öffne, oder ob ich mein Leben so weiterleben will."

Santara: "...und es ist keine einmalige Entscheidung, immer und immer wieder wird dir dein Ego im Wege stehen und du musst dich immer wieder neu entscheiden, dein Herz zu öffnen, aber es ist eine Entscheidung für Gott und für das Leben!"

Karl: "Ich werde dazu wohl viel Mut brauchen?"

Santara: "Ganz sicher, aber du brauchst auch viel Versöhnung, vor allem mit dir selbst! Und letztlich brauchst du auch Vertrauen, in den, den du nicht kennst und den du nur fühlen kannst, wenn du dein Herz öffnest."

Karl: "Woher nehme ich all diesen Mut, diese Versöhnung und dieses Vertrauen."

Santara: "Warst du schon einmal mutig in deinem Leben, ich meine wirklich mutig, also wo du zu dir selbst stehen hast müssen oder dich vielleicht auf einen vollkommen andersartigen Menschen hast einlassen müssen?"

Karl: "Ich kann mich erinnern, wie ich als Kind einmal von zwei ausländischen Jungen zu sich nach Hause eingeladen wurde. Sie waren erst seit kurzem in meiner Klasse und ich wusste eigentlich gar nichts über sie. Ich hatte damals Angst, aber ich ging mit, und zwar ohne jemanden um Erlaubnis zu fragen. Es wurde dann eine sehr schöne Freundschaft daraus."

Santara: "Wo hast du damals den Mut hergenommen?"

Karl: "Ich hatte ihn einfach?"

Santara: "War dein Herz offen?"

Karl: "Es war zwar ein bisschen schwierig, weil ich Angst hatte, aber ich entschied offen zu bleiben. ...willst du mir damit sagen, dass ich entscheide, ob ich Mut habe, ob ich mich versöhne, ob ich vertraue oder nicht?"

Santara: "Ja, denn das ist die eigentliche Überwindung des Egos, wenn ich mich entscheide mein Herz zu öffnen, zu allererst für mich selbst, aber auch für das Leben und das bedeutet Verantwortung zu übernehmen, aber für mich selbst und für mein Leben, nicht für andere.

Nun, ich glaube du hast für heute genug Fragen beantwortet. Ich werde nun aufhören dir noch weitere Fragen zu stellen und wünsche dir, dass du die Kraft findest, all dies umzusetzen. Ich glaube, wir werden uns wieder sehen."

Karl: "Ganz sicher und Vielen Dank!"

Santara: "Oh, ich danke auch dir, dass du so lange ausgeharrt und mir so viele Fragen beantwortet hast." (In einer lachenden Umarmung trennen sich beide)


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