...spezielle Themen: (für Vollbildmodus hier klicken)

Wir sind niemals alle gleich!

.

Wir sind alle Gottes Kinder, doch macht uns das nicht gleich, sondern es zeigt lediglich, dass wir den gleichen Ursprung haben!

So oft habe ich Sprüche wie diese schon gehört: "Wir sind alle gleich! Vor Gott sind wir alle gleich!" Für Gott sind wir niemals alle gleich, allerhöchstens gleich viel wert, also alle gleichermaßen wertvoll, da er uns alle liebt, da wir schließlich alle seine Kinder sind. Wir sind jedoch alle verschieden, alle andersartig, genau wie die Natur. Auch geht Gott mit jedem Menschen anders um, dennoch ist dies natürlich immer liebevoll.

Auf sarkastische Weise könnte man vielleicht sagen, dass die Art, wie wir uns selbst zerstören, uns gegenseitig zerstören und auch unsere Umwelt zerstören, das ist immer die gleiche, darin sind wir wirklich alle gleich. Die Rollen, die wir spielen sind zwar alle verschieden, doch die Trennung, die wir dabei von uns selbst vollziehen, das ist immer die gleiche. Es ist immer der gleiche Akt der Selbstbestrafung oder der Unterdrückung unseres wahren Wesens, den wir in unserem Alltag vollziehen. Ob Verbitterung oder ob Euphorie, ob Lauheit oder Trotz, es ist immer die gleiche Trennung vom Leben, die wir dabei durchführen. Ob ich mich selbst hasse oder andere, es ist der gleiche Hass, den wir verbreiten. Ob ich die guten oder die schlechten töte, es ist immer die gleiche Gewalt, die mordet und Leben zerstört.

In unserem wahren Wesen sind wir niemals alle gleich! Ich glaube kaum, dass Gott aus lauter Langeweile irgendwann nur noch gleiche Wesen erschaffen hat, weil ihm vielleicht nichts anderes mehr eingefallen ist, nein sicher nicht! Wenn jemandem die Kreativität nicht ausgeht, dann ist es ganz sicher der liebe Gott, das sehe ich jeden Morgen, wenn ich aus dem Fenster schaue und sich mir der Himmel jedes Mal in einem neuen Gewand präsentiert. Jeder Mensch und jedes Wesen ist individuell und jeder Mensch hat seinen ganz persönlichen Charakter, sein ganz persönliches Charisma und seine eigene individuelle Berufung. Was wären wir für eine langweilige Welt, wenn wir alle gleich werden.

Alle gleichmachenden Kräfte in unserer Gesellschaft haben Angst vor Individualität und versuchen deshalb durch Kontrolle und durch Dogmen möglichst viele Menschen in ein gleiches Schema zu pressen.

Es ist leider so, dass noch sehr viele Menschen diese gleichmachenden Gedanken pflegen, weil sie alle einen so großen Mangel an Geborgenheit und Gemeinschaft erlebt haben. Natürlich ist diese Sehnsucht, wenn auch unbewusst, der Auslöser für das Bestreben, Menschen gleich machen zu wollen, doch können Geborgenheit und Harmonie nicht durch Vereinheitlichung entstehen.

Wenn ich von Menschen angenommen werden, einfach, weil sie mich genau so annehmen, wie ich gerade bin, weil sie gerade jetzt ein offenes Herz für mich haben, dann fühle ich Geborgenheit, vielleicht auch nur in manchen Momenten. Ich kann echte Gemeinschaft fühlen, ohne mich zu verstellen und obwohl vielleicht alle in diesem Moment vollkommen verschieden sind.

Aber ich werde echte Geborgenheit und Harmonie nicht dadurch erreichen, dass ich mich an andere Menschen anpasse, bis sie keine Probleme mehr mit mir haben. Der Frieden, der sich dann einstellt ist trügerisch, weil er unehrlich ist. Es ist lediglich eine unbewusste Absprache, das Bild einer heilen Welt dadurch zu wahren, indem bestimmte Regeln eingehalten werden. Es sind immer Regeln, die unser wahres Wesen unterdrücken und unsere Individualität und Spontaneität verbieten.

Gerade weil niemand gelernt hat, mit dem Schmerz über den Mangel an Geborgenheit umzugehen, ist das Streben nach Gemeinschaft so groß, dass viele Menschen gerne bereit sind, einer Sache zu dienen und sich ihr (manchmal auch ein Leben lang) zu Verpflichten, wenn sie dadurch eben wenigstens das Gefühl bekommen, dazuzugehören. Da der Schmerz jedoch nicht geheilt wird, leiden sie im Stillen weiter, ja, eigentlich leiden sie ein Leben lang.

Gott will natürlich nicht, dass wir leiden, doch wie soll er unser Leid lindern oder heilen, wenn wir nicht einmal bereit sind es zu fühlen. Natürlich könnte er uns zeigen, dass wir in unserer ganzen Individualität angenommen und geliebt werden, dass wir also, obwohl wir vielleicht in unserem wahren Wesen so ganz anders sind als die anderen, nicht nur akzeptiert, sondern vom Leben geliebt werden und auch von Menschen, die ein offenes Herz haben. Gerade die Individualität ist doch unsere größte Kostbarkeit, denn sie bringt uns doch Gott so sehr nahe. Ich kann nur jedem Mut zusprechen, seine eigene Individualität auszugraben und zu leben, denn sie macht das Leben auf so wunderbare Weise lebenswert.

Heliamus Raimund Oktober 2004


Zurück Home