...spezielle Themen: (für Vollbildmodus hier klicken)

Der heilige Gral...

Ehrgeiz oder Gnade?

Wenn ich mich nach etwas besonders stark sehne, fühle ich mich oft abhängig von einem Menschen, weil mir meine Vorstellung nicht erlaubt, dass ich dies, wonach ich mich sehne von einem anderen Menschen oder vielleicht zu einem anderen Zeitpunkt bekomme, als ich es mir eben wünsche. Dabei ist meine Sehnsucht ja schon richtig, doch mein Vorstellung bzw. meine Beschränkung eben nicht und auch nicht das Gefühl, dass es an mir liegt.

Abhängig bin ich nicht von einem einzigen Menschen, doch vom Leben sind wir alle abhängig und da das Leben in jedem von uns wohnt, könnte man sagen, dass jeder Mensch wichtig für mich ist, jeder, der den Mut hat das Leben in sich zu offenbaren, jeder, der den Mut hat, sein Herz zu öffnen. Wenn ein Mensch sein Herz verschließt oder verschlossen hält, so ist dies traurig, doch hat niemand Schuld daran, denn es ist seine Entscheidung und deshalb auch seine Verantwortung. Ich kann es nicht erreichen, anerkannt, geliebt, beachtet oder unterstützt zu werden, egal ob beruflich oder privat. Es ist auch nicht der launische Gott oder ein übles Schicksal, die ihre Launen an mir auslassen und ich deshalb manchmal Glück und manchmal Pech habe. Und Erfolg ist ganz sicher kein Zeichen dafür, von Gott geliebt zu werden!

Erfolg, wie die meisten ihn definieren, ist es, wenn sie möglichst viel bewirken oder erreichen, weil sie dann das Gefühl von machtvollem Wirken haben, doch hat dies sicher nichts mit Gott zu tun und auch nichts mit Berufung. Echter Erfolg ist genauso eine Gnade, wie es die Liebe ist, die mir durch einen Menschen zu Teil wird. Beides kann ich weder erreichen, noch festhalten. Erfolg, so wie ich ihn erlebe, bedeutet, meine Wünsche mit all meiner Kraft in Gottes Hände zu legen bzw. sie den Engeln mitzugeben, sie also loszulassen und mich zu öffnen, für den Willen des Höheren, dafür, Gottes Willen geschehen zu lassen, ja, mich ihm hinzugeben. Wenn dann etwas geschieht, also wenn dann meine Wünsche in Erfüllung gehen, vielleicht ganz anders als ich es dachte, so geschieht ein Wunder und das ist genau das, was ich unter Erfolg verstehe bzw. wie ich ihn erlebe.

Etwas in Gottes Hände zu legen, bedeutet für mich nicht, nichts zu tun und somit das Leben zu verneinen, denn oftmals muss ich gerade dann sehr viel tun, nein, es bedeutet meine Verpflichtungen und Zwänge loszulassen, also mich nicht mehr zu etwas zwingen zu lassen, was ich gar nicht wirklich tun will, sondern genau das zu tun, was ich wirklich von Herzen gerne tu. Die Ursache für all meinen inneren und äußeren Stress sind genau diese Zwänge, die ich mir auferlege und nicht mehr loslasse, und es ist egal, ob ich versuche, sie zu erfüllen oder ob ich gegen sie kämpfe. Wenn ich das tu, was ich wirklich gerne tu, zeige ich dem Leben, dass ich dazu bereit bin, aus ganzem Herzen mich zu leben, mich meinem eigenen Leben zu stellen und meine Bestimmung anzunehmen.

Ich kann es nicht erreichen, erfolgreich zu sein, weil ich es eben nicht erreichen kann, dass meine Arbeit von anderen angenommen wird. Es ist keine Frage wie gut ich bin oder wie gut ich etwas kann, denn dann bin wieder in dem Zwang immer noch besser werden zu müssen, um immer noch mehr zu erreichen. Mein Herz dem Leben zu öffnen bedeutet, dass ich anfange, meine Zwänge loszulassen und meine Wünsche in Gottes Hände zu legen, und das bedeutet, ich fange an zu vertrauen. Ohne Vertrauen gibt es keinen wahren Erfolg, sondern nur Stress, Wut und jede Menge Verpflichtungen, durch die ich immer in irgendeinem zwanghaften Verhalten ende. Loslassen bedeutet Entspannung, es bedeutet mir zu erlauben, schwach zu sein, weil ich darauf vertraue, dass Gott stark ist.

Auch echte Gemeinschaft und Teamarbeit entstehen nicht durch gegenseitige Verpflichtungen, indem wir einander dienen oder uns unterordnen, sondern weil wir unserem eigenen Herzen dienen und ihm folgen. Gemeinschaft und auch Erfolg entsteht durch Vertrauen in das Leben und nicht durch die Verpflichtung anderer Menschen oder durch die Zwänge, die ich ihnen auferlege.

Motivation, also der Ansporn dafür, etwas gerne zu tun, von ganzem Herzen mitmachen zu wollen, entsteht immer dadurch, dass ich etwas vorlebe! Nur dadurch kann ich anderen Mut machen, sich darauf einzulassen und mitzumachen. Durch Zwänge und Verpflichtungen erreiche ich immer nur Abwehr oder Unterdrückung und durch beides werde ich sicher niemals Gnade erleben oder Wunder bewirken. Alle Verträge dieser Welt können niemals mein Vertrauen ersetzen, egal ob dies in der Partnerschaft, im Beruf oder sonst irgendwo ist.

Einerseits muss ich erkennen, dass ich es nicht erreichen kann, dass irgendjemand sein Herz für mich öffnet. Ich kann keinen Menschen dafür verantwortlich machen, mich zu lieben oder ihm Schuld daran geben, wenn mir nicht geholfen wird. Niemanden kann ich dazu verpflichten, mir Liebe zu geben, denn dann ist es keine echte Liebe und vor allem keine Gnade mehr und ohne Gnade höre ich auf, zu leben, wirklich zu leben.

Obwohl es "falsch" ist, dass ich viel zu wenig Gnade erfahren habe oder auch immer noch erfahre, "falsch", weil es eben nicht Gottes Wille ist, dass ich ohne Gnade lebe, sondern eher die Auswirkungen einer noch viel zu lieblosen Gesellschaft oder Erziehung sind, so muss ich doch erst einmal annehmen, dass es eben so ist, auch wenn es nicht meine Schuld ist. Wir brauchen eben noch sehr viel Hilfe von Gott, da es noch so Vieles zu verändern gibt, was wir selbst aus eigener Kraft gar nicht erreichen können! Ja, wir brauchen Wunder, noch sehr viele Wunder!

Andererseits muss ich auch anerkennen, dass ich trotzdem andere Mensche brauche, weil ich das Leben, Liebe brauche, Menschen, die mir die Liebe spiegeln, die mich erinnern, wer ich wirklich bin, die mich fühlen lassen, dass es Gnade gibt, durch die ich erlebe, dass es Gott wirklich gibt, auch auf dieser Erde, fühlbar, greifbar und nah. Ich sehne mich danach, Gott, d.h. der Liebe, dem Licht und der Kraft, in mir selbst aber auch in einem anderen Menschen zu begegnen.

Was wäre die Liebe ohne einen Kelch, der sie fasst?

Wir könnten sie nicht fassen!

Was wäre die Macht, ohne ein Werkzeug, durch das sie wirkt?

Wir würden sie nicht erleben!

Was wäre das Licht ohne eine Form, die der Vielfalt an Farben erst Ausdruck verleiht?

Wir könnten das Licht in seiner Vielfalt nicht erkennen!

Was wäre die Welt ohne offene Herzen, durch die Gott sich offenbaren kann?

Wir könnten nicht fühlen und nicht erleben, was Gnade bedeutet.

Tja, was wäre auch meine Arbeit ohne die Menschen, die sie organisieren und die sich darauf einlassen, was wären meine Texte, ohne irgendjemand, der sie liest, was wäre meine Freude, wenn ich sie nicht teilen kann? Ja, ich brauche andere Menschen, genauso wie ich Gott brauche und die Liebe, dennoch bin ich nicht von einem bestimmten Menschen abhängig, weil niemand zu irgendetwas verpflichtet ist. Es ist das Leben, das für mich sorgt, aber nicht ein bestimmter Mensch. Niemand wird mit der Verpflichtung geboren, sich um irgendeinen bestimmten Menschen kümmern zu müssen, sondern mit einem liebenden Herzen, das sowieso genügend Liebe zu geben hat, wenn man es frei lässt und wenn es auch Gnade erlebt. Da wir dieses liebende Herz größtenteils vergessen haben, müssen wir die Liebe und die Gnade erst wieder mit uns selbst leben und in uns selbst fühlen, um zu heilen, um unser Herz wieder zu öffnen und um unser scheinbar "erwachsenes Verhalten", also unsere "Erscheinungsbilder" loslassen zu können.

Wir alle brauchen Gnade, denn sie ist das Elixier des Lebens, sie ist der Gral, der heilige Gral, der nur im Herzen eines jeden einzelnen Menschen zu finden ist. Nur die Gnade verbindet mich mit dem Leben und mit Gott oder mit einem anderen Menschen. Jede Verpflichtung und jeden Zwang erlege ich mir oder andern auf, aus Mangel an Vertrauen, und weil ich immer noch glaube, Erfolg erreichen zu können, also erst etwas leisten zu müssen, bevor ich zu etwas Wertvollen komme. Es ist die jahrtausend alte Mentalität, sich alles erhandeln zu müssen und, es ist das Misstrauen gegenüber Gott und gegenüber dem Leben, weil ich immer noch glaube, dass ich ohne meinen Ehrgeiz nie etwas erreichen werde, und dieser Einstellung liegt der Glaube zu Grunde, dass der Mensch von Grund auf faul und phlegmatisch ist und deshalb immer angetrieben werden muss.

Wenn ich mich mit meinen Idealen, mit meinen Bedürfnissen oder mit meinen Wünschen dem Leben, also auch anderen Menschen nicht öffne, kann ich auch nicht wachsen. Ich kann mich nicht entfalten, wenn ich alleine bin oder alles alleine mache! Wenn ich alleine bin, kann ich lernen mich selbst zu finden, vor allem, wenn ich mich verloren habe, und das ist nicht nur sehr, sehr wichtig, sondern auch sehr schön, aber wachsen kann ich dadurch nicht. Ich finde dadurch meine Freiheit aber keine Gnade. Freiheit zu leben bedeutet, dass ich den Mut habe, mein Herz für mich selbst zu öffnen, also mich zu leben. Wachstum und Entfaltung aber bedeutet, ich öffne mein Herz Gott, d.h. seiner Gnade, dem Leben und somit auch anderen Menschen. Natürlich kann ich mein Herz nicht anderen öffnen, wenn es für mich selbst nicht offen ist, dies wäre doch nur Selbstbetrug. Wenn ich den Mut wirklich habe, mich selbst zu offenbaren, so sehne ich mich auch nach Gnade, also nach Geborgenheit, Mitgefühl, Anerkennung und auch nach Unterstützung, egal ob beruflich oder privat. Mich zu offenbaren bedeutet, ein Kind Gottes zu leben, denn das sind wir alle, und warum sollte ein Kind Gottes nicht Gnade erlangen, wenn es sich danach sehnt? Wenn ich mich dieser Sehnsucht beraube, weil ich glaube, alles selbst erreichen zu müssen, so kompensiere ich lediglich meine Wut durch Ehrgeiz, und das Gefühl von Grund auf nichts wert zu sein! Gnade oder Wunder werde ich dadurch nicht erleben.

Gnade ist das Elixier des Lebens und wir brauchen sie alle.

So sehr ich es auch versuche, sie zu kompensieren oder sie abzuwehren, ohne sie lebe ich nicht wirklich! Ja, wenn es irgendeinen Schatz gibt, für den es sich lohnt, alle Schwierigkeiten auf sich zu nehmen, deren Suche eine zum Teil sicher sehr beschwerliche Reise mit sich bringt, so ist es dies

"Der heilige Gral":

Der Kelch der Gnade im Herzen eines jeden Menschen,

denn nur dieser Kelch vermag es, Leben zu spenden!

Nur die Gnade vermag

Altes zu erneuern,

Leid zu verwandeln

und Wunder zu wirken.

Ich stelle mir immer vor, dass wir alle wie ein riesengroßes Orchester sind, bei dem jedoch keine zwei gleichen Musikinstrumente existieren. Jeder spielt sein eigenes Instrument und bringt dadurch seinen individuellen Klang zum Ausdruck. Natürlich ist die Musik nicht schlechter, wenn ein Instrument fehlt, doch es fehlt etwas! Wenn wir jemals diesen wunderbaren Klang vernommen haben, als das Orchester noch komplett war, jeder sein eigenes Musikinstrument spielte und trotzdem alle miteinander harmonierten, so werden wir wohl nie mehr aufhören, uns danach zu sehnen, dass wieder alle mitspielen, jeder auf seine eigene wunderbare Weise. Natürlich versuchen wir oftmals alle möglichen Musikinstrumente zu lernen oder möglichst viele gleiche Instrumente zu spielen, damit es so "gut" wie möglich klingt, doch kann man diesen wunderbaren Klang des eigenen Herzens nicht erreichen, indem man sich anpasst oder in etwas hineinzwängt. Nur wenn ich den Mut habe, der Individualität meines eigenen Herzens Ausdruck zu verleihen, erlebe ich diesen wunderbaren himmlischen Klang meines eigenen Herzens wieder.

Das einzige was ich also wirklich tun kann, dass dieses Orchester wieder größer wird, ist mein eigenes Instrument zu spielen und zu hoffen, dass mir andere Menschen zuhören und ihr Herz öffnen. Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass mich die Gnade des Lebens wachsen lässt.

...und vielleicht fühlen die anderen ja dann auch die Sehnsucht wieder, ihr eigenes Musikinstrument zu spielen und dies mit anderen zu teilen...

Heliamus Raimund Juni 2004


Zurück Home