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Liebe ist eine Entscheidung! Liebe hat mit Verantwortung zu tun...

Wenn ich einem Mensche begegne, entscheide ich bewusst oder unbewusst, ob ich mich diesem Menschen öffne, ob ich ihn annehme, d.h. ob ich ihn liebe oder nicht. Natürlich ist dies auch keine einmalige oder endgültige Entscheidung. Immer wieder entscheide ich mich, in jedem Moment neu, ob ich mein Herz öffne oder nicht.

Egal ob bewusst oder unbewusst, die Verantwortung für diese Entscheidung trage in jedem Fall ich selbst. In jedem Fall ist es meine Verantwortung, wie ich mich in meinem Leben entscheide, egal ob mir diese Verantwortung bewusst ist oder nicht. Nur weil mir meine Entscheidungen nicht bewusst sind, wird mir die Verantwortung dafür nicht genommen, denn auch für die Entscheidung der Bewusstwerdung trage ich selbst die Verantwortung.

Erst wenn ich beginne, für diese Entscheidungen wieder bewusst Verantwortung zu übernehmen, beginne ich, mich selbst wirklich anzunehmen, d.h. zu lieben, was die Vorraussetzung dafür ist, jemand anderen zu lieben. Wie sollte ich auch jemand anderes lieben, wenn ich mich selbst nicht lieben kann, mich nicht entscheiden kann, mich selbst anzunehmen. Wie kann ich mein Herz für jemand anderen öffnen, wenn ich es für mich selbst nicht öffnen kann? Wie kann ich jemandem Mut machen zu lieben und sein Herz zu öffnen, wenn ich doch selbst nur Angst vor meiner Liebe habe und die Verantwortung für meine eigenen Gefühle nicht tragen kann?

Ja, geliebt fühle ich mich eigentlich doch erst dann, wenn mein Partner zu seinen Gefühlen auch stehen kann, wenn er den Mut hat, sie mir zu zeigen...

Was hilft es mir, wenn mich ein Mensch liebt, der nur Angst hat vor seinen eigenen Gefühlen und nicht den Mut findet sie mir zu zeigen? Vielleicht empfindet er so etwas wie Liebe in seinem Innern, doch mit wem will er dieses Gefühl teilen, wenn seine eigene Angst ihn doch schützend umhüllt.

Nur, wenn ich ihm diese Angst nehme und in sein Innerstes vordringe, ihm näher komme, kann ich fühlen, dass da vielleicht Liebe ist. Doch wenn ich mich wieder entferne, ist wieder nur die Angst vor Liebe fühlbar, die Angst vor zu viel Gefühl und Intensität. Es ist die Angst vor Nähe, berührt zu werden in unserem Innersten, Angst vor unserer eigenen Verletzlichkeit uns Sensibilität, aber auch die Angst vor Abhängigkeit, dass ich mich vielleicht mich von der Gnade eines einzigen Menschen abhängig fühle, wen ich mich nach Liebe sehne, wie vielleicht schon als Kind, als ich um Liebe bettelte, doch sie nicht bekam, als ich sie brauchte? Es existiert soviel Angst davor zu fühlen, dass wir Liebe brauchen, doch wir brauchen sie und wir sind verletzt, auch wenn wir oftmals so tun, als wenn es nicht so wäre. Nein, es ist nicht ein einziger Mensch von dem wir abhängig sind oder werden, das ist unsere Illusion, die wir durchbrechen müssen. Es ist das Leben selbst, von dem wir abhängig sind! Diesem und nicht einem einzigen Menschen müssen wir lernen zu vertrauen.

Wenn wir unsere Sehnsucht nach Liebe fühlen, so müssen wir erkennen, dass niemand dafür verantwortlich ist, diese Sehnsucht für uns zu stillen! Erst in der Hingabe an Gott oder das Leben mit unserer ganzen Sehnsucht und mit unserem ganzen Herzen, können wir erleben, was es bedeutet Gnade zu erfahren, wirklich geliebt zu werden. Doch zu erst müssen wir diese Sehnsucht fühlen und annehmen. Erst dann können wir erkennen, dass die Liebe, die mir ein anderer Mensch gerade gibt, wirklich von Gott kommt, aber dass der Mensch, der sie vermittelt eben auch ein Mensch ist und Schwächen hat und sich vielleicht irgendwann sogar dafür entscheidet, diese Liebe nicht mehr leben und sein Herz seiner Liebe nicht mehr öffnen zu wollen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass Gott oder das Leben mich nicht mehr liebt, sondern es bedeutet, dass mein Gegenüber eine Entscheidung getroffen hat, weil er eben seinen eigenen freien Willen hat und vielleicht seinen eigenen Weg gehen muss oder einfach an die Grenzen seiner eigenen Liebesfähigkeit gekommen ist.

Aber auch ich kann mich entscheiden, ob ich warte, bis mein Gegenüber die Liebe wieder teilen will, sein Herz mir wieder öffnen will, oder nicht. Und jedes Mal, wenn ich darunter leide, muss ich lernen meine Sehnsucht nach Liebe zu fühlen und mein Herz zu öffnen, dem Leben zu öffnen, Gott zu öffnen, denn nur das Leben hat soviel Liebe, wie ich sie brauche und nur Gott weis durch wen sie gerade zu mir kommen kann.

Nehme ich meinem Gegenüber seine Angst vor seiner Liebe, indem ich ihm z.B. vermittle, dass alles schon in Ordnung ist, so wie es ist oder indem ich immer wieder versuche ins Innere meines Gegenübers vorzudringen, um seine Liebe zu fühlen, so mache ich seine Angst zu meiner. Dann bekomme ich Angst vor meinen Gefühlen, da ich ihm mit meiner Intensität und Sehnsucht nach Liebe nur wieder seine Angst zeigen würde. Entscheide ich mich immer wieder, meinem Gegenüber diese Angst zu nehmen, übernehme ich Verantwortung für seine Gefühle, da ich ihm zeige, dass er schon liebt. Doch damit nehme ich ihm auch die Möglichkeit der Entscheidung, die Angst vor seiner Liebe selbst zu überwinden, also den Mut, zu seinen Gefühlen zu stehen und sie zu zeigen, selbst zu entwickeln. Nehme ich einem Menschen, einem Partner oder einem Kind diese Verantwortung, so nehme ich ihm auch ein Stück seiner Würde. Ja, eigentlich kann ich meinem Gegenüber nur Mut machen, denn die Angst vor sich selbst muss jeder Mensch auch selbst überwinden oder loslassen.

Erst dann beginne ich zu erkennen und zu begreifen, was Liebe ist, was es bedeutet mein Herz zu öffnen, für mich selbst und auch für jemand anderen, auch was Mut wirklich bedeutet. Nur mit dem Herzen kann ich verstehen lernen, was es bedeutet, sich zu versöhnen und zu vertrauen, weil ich dann erst beginne, aus dem Herzen heraus zu entscheiden und nicht mehr aus dem Verstand oder aus irgendwelchen Verhaltensmustern heraus, die alle durch Angst geprägt sind. Nur aus dem Herzen heraus beginne ich zu leben, wirklich zu leben und einem anderen Menschen zu begegnen, von Herz zu Herz, von Liebe zu Liebe...

...und dazu brauchen wir einander, denn das ist es, was wir uns gegenseitig wirklich geben können:

Mut!

Mut zu machen, sich zu entscheiden, wieder aus ganzem Herzen heraus leben zu wollen, den Mut zu mehr Ehrlichkeit und Offenheit. Den Mut zu haben, seine Gefühle und seine eigene Intensität wieder zu fühlen, zu leben und zu zeigen, um sie mit anderen Menschen zu teilen.

Eigentlich beginnt also die Liebe erst nach dem "Verliebtsein". Wenn wir uns verlieben, so braucht uns der andere nicht zeigen, dass er uns liebt, weil wir es vielleicht sogar in jeder Zelle unseres Körpers fühlen, dass wir geliebt werden. Diese Verliebtheit verschwindet meist irgendwann, was natürlich ist, weil wir einatmen und ausatmen. Wir sind Menschen, die Schwächen haben und wenn die Verliebtheit verschwindet, fühlen wir wieder all unsere Fehler und Schwächen und auch die der anderen. Doch dann muss ich mich erneut entscheiden, mein Herz zu öffnen, vor allem für mich selbst, für all die Gefühle oder Erinnerungen die da kommen, um sie anzunehmen, sie zu verstehen und daraus zu lernen. Wenn ich dann meine Liebe wieder fühlen kann, so kann ich sie auch wieder teilen, und das bedeutet, aus dem verliebt sein kann wahre Liebe werden bzw. kann sie immer wieder neu entstehen. Doch dazu muss ich mich entscheiden, mein Herz vor allem für mich selbst immer wieder und immer mehr zu öffnen. Je größer mein Herz wird für mich selbst, umso größer wird mein Herz auch für andere und so kann meine Liebe wachsen und wenn es ein Gegenüber gibt, so kann man auch gemeinsam wachsen und auch die Liebe zwischen zwei Menschen wachsen. Doch dazu muss sich jeder selbst entscheiden...

Ein wunderschönes Weihnachtsfest mit viel Gefühl und Mut zu echter Nähe wünsche ich jedem, der dies liest.

Heliamus Raimund


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