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Warum positives Denken krank machen kann...

(...und negatives Denken auch.)

Jeder Gedanke, egal ob positiver oder negativer Gedanke hat eine Ursache. Was geschieht mit diesen Ursachen, wenn ich nur meine Gedanken verändere?

Wenn ich die Energie eines negativen Gedankens durch einen positiven Gedanken verdränge, verschwindet diese negative Energie. Die Frage ist wohin verschwindet sie? Und was passiert mit der Ursache meines Denkens? Wohin verschiebe ich all dies?

1.) Ein Beispiel für die Entstehung eines negativen Gedankens:

"Ich bin nichts wert!!!"

Ursache (Erlebnis): Ein Kind hatte eine sehr strenge Mutter, die nur wenige Gefühle zeigen und auch keine annehmen konnte. Wenn das Kind traurig oder verletzt war, bekam es keinerlei Beachtung und wurde damit alleine gelassen.

Entstehung eines separaten inneren Raumes: Gefühle zu zeigen ist für dieses Kind etwas Schlimmes geworden, weil es dann das Gefühl von "alleingelassen werden" fühlt.

Verschließen der Tür (Verdrängung) zu diesem Raum: Das Gefühl von "alleingelassen werden" wurde nie verändert oder geheilt, da das Kind keine Möglichkeit kannte, mit diesen Gefühlen umzugehen. Somit verschloss dieses Kind im "Erwachsen werden" immer mehr diese Erinnerung hinter der Tür des Verdrängens. Ein separater Raum ist im Unterbewusstsein entstanden, in dem die Erinnerung mit den Gefühlen gespeichert wurden.

Das Schild an der Tür: "Nicht betreten, d.h. nicht erinnern!" Also nicht mehr sich seinen eigenen Gefühlen öffnen, d.h. keine Gefühle mehr zeigen, sonst fühle ich wieder dieses "alleingelassen werden" und daran will ich mich nicht mehr erinnern.

Schlussfolgerung (in diesem Fall die Verbitterung): Ich entscheide, dass es keinen Sinn hat, mich zu fühlen, also meine Gefühle zu zeigen, da ich es sowieso nicht wert bin, geliebt zu werden!

Mögliche Gedanken, die daraus entstanden:

"Ich darf mich nicht fühlen!"

"Ich fühle mich schlecht und schuldig, wenn ich mich fühle!"

"Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden!"

"Ich bin nichts wert!"

"Ich habe sowieso kein Glück!"

Wenn ich diese negativen Gedanken mental einfach nur umdrehe, ohne zu erkennen, warum sie entstanden sind, kommt folgendes heraus:

"Ich darf mich fühlen; ich fühle mich gut, wenn ich mich fühle; ich bin es wert, geliebt zu werden; ich bin wertvoll; ich habe Glück in meinem Leben!"

Was geschieht nun mit den Schuldgefühlen, mit dem Erlebnis, mit dem Gefühl von "alleingelassen werden"... usw.? Da sie noch da sind, weil sie weder gefühlt noch verwandelt wurden, werden sie durch die positiven Gedanken weiter weg geschoben bzw. verdrängt. Je mehr ich jedoch dieses Erlebnis verdränge, umso mehr muss ich positive Gedanken in mir erzeugen, da die Spannung zwischen dem Gefühl, das ich über meine positiven Gedanken erzeugen möchte und dem unangenehmen Gefühl aus meiner Vergangenheit immer größer wird. Ich werde zu einem "positiv" Programmierer.

Stellen sie sich einfach vor, dass das Erlebnis meiner Vergangenheit wie ein Wunde ist, die ich nicht mehr bereit bin zu fühlen und zu heilen, sondern die ich mit aller Kraft versuche zu ignorieren, zu erst durch negatives Denken, dann durch positives Denken. Die Wunde wird dadurch sicher nicht heilen. Ich denke, es ist eine Frage der Zeit, wann diese Wunde wieder aufbricht, wie auch immer das im Körper oder im wirklichen Leben aussehen mag. Dies geschieht natürlich sowohl durch "positives" als auch durch "negatives" Denken bzw. Programmieren.

2.) Denken ist nicht gleich Sein oder Fühlen:

Wenn ich z.B. müde bin und ich rede mir ein, dass ich nicht müde bin, dann programmiere ich mich. Ich bin müde, d.h. ich fühle mich müde und das hat einen Grund! Diesen zu ignorieren ist sicher nicht richtig! Mir ständig einzureden, dass ich nicht müde bin, bedeutet nicht nur, dass ich mich selbst anlüge und mir etwas vormache, sondern es bedeutet, dass ich die Ursache für meine Müdigkeit nicht fühle und auch nicht verwandle. Ehrlich wäre es, mir einzugestehen, dass ich müde bin! Dazu muss ich jedoch nicht denken, sondern ich muss mich annehmen, so wie ich eben gerade bin. Dann kann ich fühlen, dass ich vielleicht schon viel zu viel gearbeitet habe, so dass es ganz natürlich ist, dass ich jetzt Ruhe brauche. In diesem Zustand, sich selbst anzunehmen, also einfach ich selbst zu sein, ohne zwanghaftes Programmieren, bedeutet, dass ich erkennen kann, wo oder wie ich mich selbst überfordert habe, indem ich mir immer wieder eingeredet habe, dass ich immer noch mehr arbeiten muss. Dadurch entwickle ich Verständnis für meinen Zustand, weil ich verstehe, warum ich müde bin. Vielleicht kommt dann der Zustand, den ich auch selbst sehr gut kenne, dass ich dann erst einmal nicht weis, wie ich mein Verhalten ändern kann, ich fühle mich, wie ich gerade bin und meist fühle ich auch, dass ich es ändern will!

In diesem Moment geschieht aber etwas Entscheidendes, ich kann nämlich erkennen, dass dieses Denken eigentlich gar nicht meinem Wesen entspricht: "Eigentlich bin ich ja ganz anders!"

Wenn ich eigentlich gar nicht so bin, dann kommt natürlich die Frage, warum denke ich so, warum gehe ich so mit mir um, wenn es gar nicht meinem Wesen entspricht, wenn ich es gar nicht fühle? Von wem habe ich denn dieses Denken übernommen?

Wieder sind wir bei der Frage nach den Ursprüngen meines Denkens angekommen und immer noch nicht bei der Veränderung der Gedanken: Warum denke ich so? ist die Frage. Ja, es hat einen Grund und vielleicht dauert es eine Weile, bis ich ihn herausgefunden habe, aber früher oder später finde ich den Ursprung meines Denkens und kann erkennen, dass ich mich irgendwann von meinem wahren Wesen getrennt habe, mich von dem Denken anderer Menschen und vor allem von ihren Ängsten hab prägen lassen.

Jetzt erst, da ich die Trennung von mir selbst erkenne und mein wahres Wesen wieder erahne, kommt die Entscheidung, die eigentlich mein Denken bestimmt:

"Will ich in Zukunft wieder mehr erkennen und so sein, wie ich wirklich bin, oder mache ich so weiter wie bisher?"

Erst durch diesen Entschluss kann sich mein Denken wirklich ändern, von alleine, weil ich mich entscheide, ein anderer Mensch zu werden: Wieder mehr ich selbst! Da ich erkenne, dass mein Denken übernommen ist, kann ich es loslassen:

"Ich höre auf zu denken und fange an zu sein,

ich selbst zu sein."

Dann entstehen neue Gedanken, ein neues Denken entsteht aus meinem Sein, also aus dem, was ich bin und nicht umgekehrt! Nicht weil ich denke, bin ich, sondern weil ich bin, denke ich! Nicht weil ich positiv denke, bin ich positiv, sondern wenn ich positiv bin, denke ich sowieso positiv, ich muss das nicht erreichen oder programmieren. Es ist dann auch echt, weil es ehrlich ist. Keine Blume denkt positiv um möglichst schön zu erblühen, sie öffnet sich ihrem wahren Wesen, d.h. sie ist einfach sie selbst und zeigt dies auch dem Leben.

Ich glaube es ist natürlich, dass ich auch mal negativ denke, weil ich eben gerade negativ bin, d.h. mich negativ fühle oder vielleicht sogar von jemandem negativ hab beeinflussen lassen. Die Frage ist jedoch, wie ich mit meinem Denken und mit mir selbst dabei umgehe. Versuche ich zu erkennen, wie ich wirklich bin, wie ich mich gerade verhalte und warum ich so denke? Oder schieb ich die Gedanken einfach weg oder dreh sie um ins positive, also in das was mir gerade passt?

3.) Drei Arten des Denkens, um nicht mit sich selbst konfrontiert zu werden:

  • Die Euphorie: positives Denken
    • Versucht über seine positiven Gedanken die Bestätigung zu erreichen, dass das Leben schon positiv ist bzw. programmiert werden muss.
  • Die Verbitterung / der Trotz: negatives Denken
    • Versucht über seine negativen Gedanken die Bestätigung zu erreichen, dass das Leben eben doch negativ ist.
  • Die Lauheit: möglichst ausgeglichenes Denken (bisschen positiv und bisschen negativ)
    • Versucht über ein möglichst nicht zu einseitiges Denken die Bestätigung zu erreichen, dass das Leben einfach ausgeglichen werden muss. Einfach dem Positiven im Leben etwas Negatives entgegensetzen und dem Negativen etwas Positives.

Aus Angst zu erkennen was ist, also der Realität ins Auge zu schauen und zu sehen, wie ich bin oder wie es mir wirklich geht, versuche ich, mich über mein (pos./neg. oder laues) Denken abzulenken. Also hat dieses Denken, egal wie es ist, einen Grund, nämlich von etwas abzulenken, was ist. Vielleicht ist das, was gerade ist oder wie ich mich gerade fühle, gar nicht negativ oder unangenehm, doch das muss jeder selbst erst einmal herausfinden.

4.) Die Alternative

Die Frage: "Warum denke ich so?"

Jeder Gedanke hat seine Ursache! Warum also denke ich so? Es gibt kein falsches Denken, es gibt nur einen falschen Umgang damit: Wenn es mir gleichgültig ist, was ich denke, dann ist das ignorant gegenüber mir selbst, also gegenüber meinem wahren Wesen. Wenn ich alle meine Gedanken programmiere ist es nicht nur ignorant sondern auch manipulierend. Es ist im Prinzip eine Art von Selbstbestrafung, da ich dem Teil in mir, der eigentlich verletzt ist, vermittle, dass er wieder kein Mitgefühl bekommt, also wieder nicht gefühlt oder geheilt wird, sondern einfach ignoriert. Ich stelle mir immer vor, dass dieser Teil ein Kind ist, das ich in der Vergangenheit war, und mit dem ich eben ignorant umgehe und es einfach in die Ecke stelle, weil es Gedanken oder Gefühle hat, mit denen ich nicht umgehen will. Dabei kann ich dann fühlen, wie herzlos der Umgang mit mir selbst ist.

Wenn ich meine Gedanken versuche zu verstehen, entwickle ich Verständnis gegenüber mir selbst. Dadurch öffnet sich mein Herz und ich entwickle Bewusstsein. Da wir alle von Grund auf göttliche Wesen sind, werden wir immer feststellen, dass die eigentliche Ursache unseres negativen oder lebensverneinenden Denkens ein Erlebnis ist (oder auch mehrere), in dem wir uns von unserem wahren Wesen und von unserem wahren Bezug zu Gott getrennt haben. Um diese Trennung und Unterdrückung zu überwinden, brauchen wir Verständnis und Mitgefühl für uns selbst! Wenn ich die Ursache heile, d.h. die alten Gefühle verwandle, entstehen von alleine neue Gedanken, aber nicht, weil ich sie programmiere, sondern weil sie das offenbaren, was ich fühle, sie also echt sind und meinem Herzen entspringen. Ich muss nicht mehr positiv Denken um positiv zu fühlen, was letztlich immer eine programmierte Manipulation bleibt, sondern meine Gedanken entstehen aus meinem Sein und aus meinem Fühlen, d.h. sie drücken aus was ist und nicht was sein soll.

Verständnis und Mitgefühl für sich selbst zu entwickeln bedeutet also, offen zu sein für jede Art von Gedanken, die da kommen, weil ich jederzeit den Mut habe, zu hinterfragen, woher sie kommen bzw. wodurch sie entstanden sind. Je mehr ich diese Prägungen erkenne, umso mehr kann ich dann auch mein wahres Wesen erkennen, ich erkenne in mir, dass ich wirklich ein Kind Gottes bin.

Heliamus Raimund September 2004


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